In der beruflichen Bildung werden flexible Anschlusspfade an die nächst höhere Bildungsstufe immer relevanter. Hintergrund sind vor allem die steigenden Qualifikationsanforderungen angesichts einer fortschreitenden Globalisierung und die zunehmende Bedeutung von Weiterbildung im Kontext des lebenslangen Lernens. Hierbei kommt Zusatzqualifikationen und dualen Studiengängen eine steigende Bedeutung zu.
Zusatzqualifikationen tragen zu einer besseren Verzahnung von Ausbildung und Weiterbildung bei. Rund 12 Prozent der Auszubildenden, die Zusatzqualifikationen vermittelt bekommen, erwerben bereits während der Ausbildung Kenntnisse, Fertigkeiten und Fähigkeiten, die auf Weiterbildungsgänge oder anerkannte Fortbildungen anrechenbar sind.
Duale Studiengänge fördern die Durchlässigkeit zwischen Berufs- und Hochschulbildung, da sie zumeist eine betriebliche Ausbildung mit einem Hochschulstudium verbinden. Sie liefern umfangreiche Ansatzpunkte und Hinweise für eine Tertiarisierung der Berufsausbildung und stellen einen Schritt zur verbindlichen Anerkennung von beruflich erworbenen Qualifikationen in der Hochschulbildung dar. Auch die Integration von Fortbildungsabschlüssen oder Teilen anerkannter Fortbildungen trägt zur Veresserung der Durchlässigkeit zwischen dem beruflichen und hochschulischen Bildungsbereich bei.
Verzahnung von Ausbildung, Zusatzqualifikationen, Weiterbildung und dualen Studiengängen

Verzahnung von Aus- und Weiterbildung durch Zusatzqualifikationen
AusbildungPlus liefert einen umfassenden Überblick über vorhandene Zusatzqualifikationen, die eine Verzahnung von Aus- und Weiterbildung darstellen. Derzeit erlernen ca. 9.974 Auszubildende in knapp 200 verschiedenen Modellen Inhalte, die sie auf anerkannte Fortbildungsprüfungen oder vergleichbare Qualifikationen vorbereiten.
Mit einer Zahl von knapp 5.000 nehmen derzeit die meisten Auszubildenden an der Fortbildung zum Handelsassistent bzw. Handelsfachwirt teil (Tabelle 1). Hierbei handelt es sich um eine spezielle Abiturientenausbildung, die eine zweijährige Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann mit einer anerkannten Fortbildung kombiniert. An zweiter Stelle steht als Klassiker der Betriebsassistent im Handwerk. Ebenso wie der Handelsassistent wird auch der Betriebsassistent unter einer Vielzahl verschiedener Namen angeboten. Inhaltlich unterscheiden sich diese Angebote jedoch nur geringfügig, die Abschlüsse sind äquivalent. Weitere Zusatzqualifikationen, die einer anerkannten Fortbildung entsprechen, sind z. B. Staatlich geprüfter Betriebswirt, Elektrofachkraft für festgelegte Tätigkeiten, Fremdsprachenkorrespondent oder Meister.
Tabelle 1:
Zusatzqualifikationen mit Fortbildungsabschluss
| Bezeichnung | Auszubildende |
|---|---|
| Handelsassistent / Handelsfachwirt |
4.995 |
| Betriebsassistent im Handwerk |
2.074 |
| Betriebswirt |
706 |
|
Elektrofachkraft für festgelegte Tätigkeiten |
446 |
| Fremdsprachenkorrespondent |
350 |
| Fachberater |
300 |
| Fachkaufmann |
70 |
| Ausbildereignungsprüfung |
62 |
| Meister |
48 |
| Fachwirt |
43 |
| Fachkraft |
33 |
| Sonstige |
763 |
| Insgesamt |
9.974 |
11 Prozent dieser Zusatzqualifikationen enthalten zwar keinen Fortbildungsabschluss, sie können aber als Teil einer anerkannten Fortbildung angerechnet werden. Hierzu zählen insbesondere modular aufgebaute Qualifizierungsangebote, die in Zusammenarbeit mit der zuständigen Kammer entwickelt und durchgeführt und bei einer späteren Fortbildung angerechnet werden. Ein Beispiel ist das Modul CNC-Technik für angehende Industriemechaniker, das später auf die Weiterbildung zur „Industriefachkraft“ angerechnet werden kann.
Außerdem gibt es Zusatzqualifikationen, die Fortbildungsinhalte vermitteln, die branchen- oder betriebsspezifisch anerkannt werden. Auf diese Weise werden z. B. Auszubildende im Einzelhandel in branchen- und unternehmensinternen Angeboten zu Management-, Führungs- und Abteilungsleiterassistenten geschult. Diese Angebote orientieren sich inhaltlich an der anerkannten Fortbildung zum Handelsassistenten, bieten den Unternehmen aber mehr Flexibilität, da die Inhalte schneller an aktuelle Qualifikationsanforderungen angepasst werden.
Die meisten Zusatzqualifikationen – rund 80 Prozent – schließen mit einem Kammerzertifikat ab. Dies gibt über die zusätzlichen Kenntnisse Auskunft und erleichtert so gegebenenfalls deren Anrechnung. Für die Auszubildenden ist der formale Weiterbildungsabschluss wichtig, da er ihre Qualifikationen auf dem Arbeitsmarkt transparent und breiter verwertbar macht. Eine branchen- oder betriebsspezifische Prüfung ist in 12 Prozent der Modelle vorgesehen. Die meisten davon orientieren sich inhaltlich an anerkannten Fortbildungsabschlüssen. Die vermittelten Kenntnisse und Befähigungen eröffnen den Auszubildenden gute Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt.
Tabelle 2:
Abschlussprüfungen in Zusatzqualifikationen mit Fortbildungsinhalten
| Weiterbildung in der Ausbildung mit… | Modelle | Angebote | Auszubildende |
|---|---|---|---|
| Kammerprüfung |
159 |
2.216 |
7.994 |
|
brancheninterner Prüfung |
17 |
712 |
569 |
|
staatlicher Prüfung |
8 |
54 |
538 |
|
betriebsinterner Prüfung |
7 |
40 |
748 |
|
sonstiger Prüfung |
5 |
95 |
114 |
|
keiner Prüfung |
2 |
7 |
11 |
|
Summe |
198 |
3.124 |
9.974 |
Auch bei den dualen Studiengängen werden Fortbildungsabschlüsse oder Teile anerkannter Fortbildungen integriert. Derzeit kombinieren allerdings erst knapp 383 Studierende in einem dualen Studium eine berufliche Ausbildung mit einem Hochschulstudium und erwerben dabei zugleich einen anerkannten Fortbildungsabschluss (Tabelle 3).
In ganz besonderer Form verknüpft das Rostocker Modell Ausbildung, Weiterbildung und Hochschulstudium: Es richtet sich an Auszubildende mit Realschulabschluss, die in der ersten Phase des integrativen Konzepts neben ihrem Ausbildungsabschluss die Fachhochschulreife und eine zertifizierte Zusatzqualifikation erwerben. Unmittelbar im Anschluss an die duale Berufsausbildung wird in einer tertiären Bildungsmaßnahme sowohl der akademischen Berufsabschluss eines Diplom-Wirtschaftsingenieurs (FH) als auch der Meisterabschluss erworben. Dabei wird das erfolgreich abgeschlossene Grundstudium auf den Meisterabschluss angerechnet.
Tabelle 3:
Duale Studiengänge, die Fort- oder Weiterbildungen beinhalten oder anrechnen
| Bezeichnung | DualeStudiengänge | BeteiligteUnternehmen | Auszubildende Studierende |
|---|---|---|---|
|
Meisterprüfung |
1 |
1 |
1* |
|
Fremdsprachenkorrespondent |
2 |
35 |
155 |
|
Fachberater für Finanzdienstleistungen |
1 |
49 |
50 |
|
Teil III & IV der Meisterprüfung |
2 |
140 |
163 |
|
Anerkennung als gleichwertig zur Meisterprüfung (Eintrag in die Handwerksrolle nach § 7 HwO) |
3 |
3 |
14 |
|
Summe |
9 |
228 |
383 |