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Ausbildungsangebot des Monats - Juni 2007

Dualer Studiengang Architektur

Anbieter: Georg-Simon-Ohm-Fachhochschule in Nürnberg und Staatliche Berufsschule Weiden

 
 
 
 

Inna Brilz ist Vorreiterin an der Georg-Simon-Ohm Fachhochschule in Nürnberg. Die 23-Jährige studiert hier in ihrem Traumfach Architektur und toppt das Ganze noch. Inna lernt als erste duale Studentin gleichzeitig Bauzeichnerin in einer mittelständischen Baufirma, der Anton Aumer GmbH bei Roding. Nach vier Jahren kann sie sich mit zwei qualitativ hochwertigen Abschlüssen auszeichnen - dem Bachelor of Arts und dem Facharbeiterbrief. Bei den nach wie vor schwierigen Jobaussichten für Architekten baut Inna mit diesem Doppelabschluss und der frühen Berufserfahrung gut vor: Wer seine Chancen auf dem Arbeitsmarkt erhöhen möchte, muss entweder besser oder anders als die Mitbewerber sein.

Foto: Vom Konstruktionsmodell zum fertigen Bau ist ein langer Weg.

Abschied vom Klischee

Obwohl viele Architekturstudenten von einer glänzenden Starkarriere à la Daniel Libeskind träumen, ist das Klischee vom Baukünstler mit schwarzem Anzug überholt. Die Realität sieht meist anders aus: Kosten kalkulieren, Termine koordinieren, Verhandlungen mit den Bauherren führen. Das sind die täglichen Kleinarbeiten, die aber im Berufsalltag weit wichtiger sind als spektakuläre Designs. "Viele Bauherren interessiert weniger der Bauentwurf, sondern eher wie viele Arbeitsplätze in ein Bürogebäude passen und wie viel ein Tiefgaragenstellplatz kostet," erklärt Inna. Der Praxisschock ist bei vielen Studenten nach dem Studium daher besonders groß, wenn sie zum ersten Mal mit Ausführungsplänen konfrontiert werden oder unter Termindruck arbeiten müssen. Nicht so Inna Brilz, die in ihrer Ausbildungs- und Studienzeit zwar mehr Freizeit opfern muss, durch ihren Einsatz im Betrieb aber genau das lernt, was später von Architekten im Berufsleben gefordert wird: Routinierte Kenntnisse in den gängigen EDV-Anwendungen, Teamfähigkeit, interdisziplinäres Denken, selbständiges und zielorientiertes Arbeiten, Einsatzbereitschaft, Belastbarkeit bei Termin- und Kostendruck, Durchsetzungsfähigkeit und souveränes Auftreten. Denn Architekten sind als Generalisten gefragt, die zugleich Künstler und Techniker, Projektmanager und Teamplayer mit Sozialkompetenzen sind.

Auf neue Berufswege bauen

"Mein Chef hat mir zum dualen Studiengang geraten und steht hundertprozentig hinter mir. Die wissenschaftliche Theorie ist ideal mit der praktischen Ausbildung verknüpft," erzählt Inna. Auf diesen neuen Praxisweg baut seit Wintersemester 2004 das bundesweit einmalige duale Studienmodell in Nürnberg. Neben dem engen Kontakt zwischen Studierenden und Betrieben liegt ein wesentlicher Vorteil in der kurzen Studiendauer. Durch den kontinuierlichen Wechsel zwischen Zeichenbrett und Hörsaal sind die Studierenden im Kombi-Modell ein Jahr früher fertig als diejenigen, die zuerst eine Ausbildung und anschließend ein Studium absolvieren. "Zuerst war ich 14 Monate in meinem Ausbildungsbetrieb, bevor ich das Studium aufgenommen habe. Die restliche Lehrzeit im Betrieb läuft dann bis zur Gesellenprüfung nach dem 5. Semester in den Semesterferien weiter," beschreibt Inna Brilz ihren zeitlich dichten Ausbildungsablauf. (Foto: Inna Brilz)

Neu am Kooperationsmodell ist dabei die aktive Mitwirkung der Berufsschule in Weiden, erklärt Schulleiter Josef Weilhammer: "Während der Berufsausbildung bieten wir einen inhaltlich und organisatorisch speziell auf das Studium abgestimmten Unterricht an. So können Auszubildende Kenntnisse in der Berufsschule erwerben, die auf das Studium anrechenbar sind wie zum Beispiel das Wahlpflichtfach Computer Aided Design." Damit wollen die Schulinitiatoren vor allem kleinere und mittelständische Betriebe locken, die im Gegensatz zu den großen Betrieben meist keine innerbetrieblichen Ergänzungsschulungen anbieten können, aber hier unterstützt werden.

Baupläne und gestalterische Spielräume

Inna hatte Glück, dass ihr Ausbildungsbetrieb gleich als erste Baufirma im dualen Studienmodell eingestiegen ist. Mit ihrer betrieblichen Grundausbildung zur Bauzeichnerin lernt sie, wie man Entwurfsskizzen in bautechnische Zeichnungen umsetzt. "Vor jedem Bau kommt der Entwurf. Bauzeichner müssen in der Lage sein, eine genaue Darstellung des Gebäudes sowie des Baugrundstücks mit den exakten Maßen anzufertigen. Dabei arbeite ich fast ausschließlich mit spezieller CAD-Software und kaum mehr mit Bleistift und Lineal," schildert Inna ihren Ausbildungsberuf. Neben Messen und Grundrissaufzeichnungen erstellt Inna auch Leistungskataloge für Bauausschreibungen, wodurch sie bereits wertvolle Einblicke in die Kostenkalkulation erhält. (Foto: Entwurfszeichnung eines Studenten)

Dafür kann sie im Architekturstudium ihre kreative Ader weit mehr ausleben. "Besonders interessant finde ich das Entwerfen und die Gebäudelehre," fasst die zeichnerisch und mathematisch begabte Inna ihre bisherigen Studienerfahrungen zusammen. "In einem unserer letzten Projekte hatten wir als Aufgabe, ein 10x10 m hohes Wohnhaus für eine vierköpfige Familie zu gestalten und ein Modell dafür zu bauen." (Foto: Aquarell eines Studenten)

Neben den elementaren Qualifikationen in Bautechnologie und Entwurf bedient der bunte Seminarmix die unterschiedlichsten persönlichen Interessen und Berufsziele. Einige der Fächer sind zum Beispiel Denkmalpflege, Baukonstruktion, Tragwerkslehre, Baugeschichte, Stadtkultur, Architekturpsychologie, Planungsorganisation, Sicherheitstechnik, Projektentwicklung oder Büroökonomie.

Zurzeit sitzt Inna noch über einer praktischen Semesterarbeit und bereitet sich gleichzeitig auf ihre Gesellenprüfung als Bauzeichnerin vor – ein stressiges Pensum, wie sie zugibt. Aber ihre Motivation ist ungebrochen und hinterlässt auch bei Professor Josef Reindl, Dekan des Fachbereichs Architektur an der Fachhochschule in Nürnberg, einen positiven Eindruck: "Wir haben bislang die Erfahrung gemacht, dass Studenten mit Berufserfahrung besser studieren, weil sie eine reifere Einstellung mitbringen, belastbar und flexibel sind." (Foto: Studentisches Modell einer Disco)

Der Arbeitsmarkt von morgen

Dennoch räumt Professor Reindl ein, dass das duale Studium zwar in aller Munde ist, aber viele nicht wüssten, was es konkret ist. Doch noch ein anderer Grund erklärt die etwas schleppende Nachfrage in seinem Fachbereich: "Der Beruf des Bauzeichners hat sich in den letzten Jahren enorm gewandelt. Der Computer verdrängt immer mehr die klassischen Arbeiten per Hand und viele kleine Architekturbüros können sich keinen zusätzlichen Bauzeichner leisten, weshalb dieser Beruf auch eher in den Ingenieurbüros zu finden ist." Sein Fachbereich bleibt aber weiter experimentierfreudig und blickt, wie Professor Reindl betont, nach vorne: "Wir wollen zukünftig auch andere Bauberufe wie Tischler oder Zimmerer gewinnen, die derzeit häufiger in Architekturbüros beschäftigt sind, damit unsere duale Ausbildungsschiene attraktiver wird."

Foto: Studententen der Fachhochschule in Nürnberg bei der Projektarbeit

Dass sich auch das Berufsbild des Architekten weiter wandeln wird, prognostiziert die Bundesarchitektenkammer: Der Architekt wird zunehmend zu einem umfassenden Dienstleister. Und der Bauherr wird noch mehr als heute detaillierte Angebote für die Projektentwicklung und Finanzierung, die kompetente Übernahme der Projektsteuerung, die Termin- und Kostenkontrolle sowie ein nachsorgendes Gebäudemanagement erwarten.

Zusatzkenntnisse heißt daher die Arbeitsmarktdevise für alle Nachwuchsarchitekten. Das gilt auch für Absolventen des dualen Studiengangs. Obwohl sie durch die enge Bindung an den Ausbildungsbetrieb überdurchschnittlich gute Übernahmechancen haben, können auch sie ihr Profil mit weiteren Zusatzqualifikationen aufpeppen: Neben den unerlässlichen EDV-Kenntnissen hilft Spezialwissen wie zum Beispiel in der Bausanierung, auf dem Gebiet des Gebäudemanagements oder im ökologischen, energetischen und altersgerechten Bauen und Sanieren weiter. Einiges davon hat auch schon Inna Brilz im Visier, aber zuerst lautet die Parole: "Durchhalten und einen guten Abschluss erreichen!" Mit ihrer Praxiserfahrung und Zusatzausbildung ist Inna aber schon bestens für den Berufseinstieg gewappnet.

Anbieter:

Kontakt:

Georg-Simon-Ohm Fachhochschule Nürnberg
Fachbereich Architektur
Kesslerplatz 12
90121 Nürnberg
Dekan  Prof.  Josef  Reindl
Tel.: 0911 5880-1250
Fax: 0911 5880-5195
E-Mail: josef.reindl@fh-nuernberg.de
Internet: www.fh-nuernberg.de

Staatliche Berufsschule Weiden
Stockerhutweg 52
92637 Weiden
Schulleiter StD  Josef  Weilhammer
Tel.: 0961 206-0
Fax: 0961 206-118
E-Mail: sek@bswen.de
Internet: new.eu-bs.de

Tipp: Weitere Beispiele hochwertiger Ausbildungsangebote im Bauwesen gibt es auf dieser Seite. Die Angebote sind außerdem in der Datenbank von AusbildungPlus mit allen wichtigen Informationen zu den Inhalten und Ansprechpartnern beschrieben.

(Die Fotos wurden von der Georg-Simon-Ohm Fachhochschule, Fachbereich Architektur, zur Verfügung gestellt.)

 
 

Herausgeber: Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)
Der Präsident
Robert-Schuman-Platz 3
53175 Bonn
http://www.bibb.de

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Namentlich gekennzeichnete Beiträge stellen nicht unbedingt die Meinung des Herausgebers dar.