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Ausbildungsangebot des Monats - Mai 2007

Oldtimer-Restaurierung: Zusatzqualifikation für Kfz-Mechatroniker

Anbieter: Heineken-Auto Service Center in Großhartmannsdorf/Sachsen

 
 
 
 

Betritt man Olaf Heinekens Kfz-Werkstatt im sächsischen Großhartmannsdorf, wird ein Stück Automobilgeschichte der DDR wieder lebendig. In der großen Halle stehen Wartburgfahrzeuge - Cabrios, Campings, Limousinen, Coupes - und warten darauf, mit glänzendem Lack, neu aufgebauter Karosserie und generalüberholtem 2-Takt-Motor die Herzen ihrer Besitzer höher schlagen zu lassen.
 
Glücklich ist, wer sein Hobby zum Beruf macht
 
"Mein Handwerk habe ich von der Pike auf gelernt," erzählt Olaf Heineken. Sein Enthusiasmus für die Ost-Kultfahrzeuge aus den Eisenacher Automobilwerken begann im Jahr 1972. Damals kauften seine Eltern eine Wartburg 311 Luxuslimousine mit Faltschiebedach und noch immer genießt Olaf Heineken das schaukelnde Gefühl eines alten Sofas, wenn er mit seinem "Blechkind" übers Land fährt. "Zur Wende 1989 wussten alle im Westen, was ein Trabi war. Aber einen alten Wartburg kannte schon keiner mehr," erinnert er sich lachend.
 
Als gelernter Instandhaltungsmechaniker mit allen Schlosserarbeiten bestens vertraut, erkannte er den Nischenmarkt mit alten Autofabrikaten. Entschlossen investierte er in seine Selbständigkeit und begann zusätzlich ein Abendstudium zum Kfz-Meister. Seit 1999 hängt nun der Meisterbrief in seinem Büro. So wie er bei seiner eigenen Ausbildung auf fundierte Qualifikationen größten Wert gelegt hat, kümmert er sich ebenso um die solide Ausbildung des jungen Kfz-Nachwuchses in der Region. Auch bei seinen Azubis setzt er auf Qualität und bietet eine attraktive Zusatzfertigkeit: die Restaurierung von alten Fahrzeugen, die andere längst verschrottet hätten. "Das ist Wertarbeit und ein Wissen, das heute immer mehr verloren geht, aber unbedingt noch gebraucht wird," meint Olaf Heineken überzeugt. "Oldtimer sind stark gefragt und für viele Kunden neben einem Hobby eine sichere Wertanlage". Auszubildende, die mit Restaurierungen echte Hand- und Maßarbeit erlernen, sind daher gesuchte Spezialhandwerker auf dem Automobilmarkt.

Foto: Bei diesem 50 Jahre alten Wartburg Cabrio ist das komplette Fahrgestell überholt und wieder montiert.

Die Leidenschaft für betagte Fahrzeuge hat auch die Auszubildende Ute Lange gepackt. Die 22-jährige Chemnitzerin ist im 1. Ausbildungsjahr zur Kfz-Mechatronikerin: "Ich habe mich schon immer mehr als andere Mädchen für Technik und Autos interessiert, aber Oldtimer habe ich erst in der Ausbildung zu schätzen gelernt", erzählt Ute. "Wir arbeiten natürlich auch an neueren Fahrzeugen, aber mit den älteren Fabrikaten lerne ich viel mehr Kniffs und Tricks dazu. Weil es kaum noch Ersatzteile für bestimmte Modelle gibt, sind wir erst recht herausgefordert, jedes alte Bauteil zu pflegen und nicht zu verheizen." Als Allround-Talente müssen Kfz-Mechatroniker die Mechanik und Elektrik rund um das Auto sowieso gut im Griff haben; Ute nimmt in ihrer Ausbildung aber noch viele Extrakenntnisse gratis mit – zum Beispiel das Verzinnen von Oberflächen. Die aus den 30er Jahren stammende Technik will geübt sein, betont Ute: "Später wollen die Kunden am Kotflügel keine Dellen sehen."

Foto: Ute Lange bearbeitet die Oberfläche eines Wartburg Vergasers.

Außerdem lernt sie, Bauteile nach Originalvorlagen nachzubauen und zusätzlich alle Arten von Blecharbeiten mit Reißnadel, Blechbohrer oder Körner. "Natürlich arbeite ich noch viel zu," ergänzt Ute. "Ich feile und bohre, schneide Gewinde oder bearbeite die Oberflächen von Bauteilen wie Vergaserflaschen oder Hinterachsen. Beim Einlagern von Ersatzteilen sehe ich dann erstmal, wie umfangreich die Eisenacher Palette ist. Bei diesen Grundarbeiten lerne ich viele neue Details und Zusammenhänge kennen!"

Blech-Legenden für stolze Besitzerherzen
 
Um Wartung, Diagnose und Instandsetzung der PKWs fachmännisch zu beherrschen, ist sie bei ihrem Ausbildungsbetrieb in besten Händen. In Insiderkreisen längst als der "Wartburg-Doktor" bekannt, besitzt der Kfz-Meister Olaf Heineken von fast jedem Wartburgtyp ein Fahrzeug als Modell. Viele seiner Lieblingsfahrzeuge hat er bereits komplett auseinander gebaut und in geduldiger Feinarbeit für seine Kunden wieder flottgemacht. "Mittlerweile kenne ich jedes Schräubchen mit Namen", gesteht Olaf Heineken. Exaktes Handwerk steckt in jedem restaurierten Fahrzeug, weshalb schnelles Abfertigen hier ein Fremdwort ist. Rund ein Jahr benötigt das 4-köpfige Kfz-Team für jede Restauration, ehe ein marodes Kleinod wieder wie im Originalzustand erstrahlt.

Foto: Olaf Heineken bei der Inspektion und Fehlersuche am Wartburg Cabrio.

"Jedes Fahrzeug repräsentiert die Technik der damaligen Zeit und in manchen Modellen stecken echte Meisterleistungen. Deshalb liegt uns so am Herzen, dass diese Autos auch noch in 30 Jahren fahren", erzählt Olaf Heineken begeistert.

Lernen für Young- und Oldtimer
 
Kunden hat er inzwischen sowohl im Osten als auch im Westen und die Auftragsbücher sind gefüllt – gute Zukunftsaussichten also für die Auszubildende Ute Lange. "Wer sich in der Ausbildung bewährt, hat bei mir und auch andernorts gute Arbeitsmarktchancen," betont Olaf Heineken. "Um den Beruf des Kfz-Mechatronikers zu lernen, sollte man aber technisch 'geimpft' sein und schon mal einen Schraubschlüssel in der Hand gehabt haben. Wichtig ist natürlich auch, dass der Auszubildende engagiert ist, denn bloßer Durchschnitt nutzt mir nicht," gibt er deutlich zu verstehen. Dass diese Maxime nicht nur für seine Auszubildende gilt, sondern er als Meister mit gutem Beispiel voran geht, beweist sein eigener Wille zur Weiterbildung: "Lernen ist für mich eine Selbstverständlichkeit und an kein Alter gebunden. So stehen auch für mich demnächst Prüfungen im Restauratorenlehrgang für Metallgestaltung und Denkmalpflege an," erwähnt der Chef.

Aber je früher man auf Fachkompetenz setzt, desto mehr Vorteile hat man im Berufsleben. So wie Ute Lange das Glück hat, bereits in der Ausbildung eine Zusatzqualifikation in Restaurierung zu erwerben, können sich auch andere Auszubildende in der Automobilbranche zusätzliche praktische oder kaufmännische Kenntnisse aneignen und sogar parallel studieren, wenn sie die Hochschulreife besitzen: Von Beleuchtungstechnik, Fehlerdiagnose, Kundenservice bis Qualitätsmanagement reicht das vielfältige Bildungsangebot. Und als Studiengänge bieten sich beispielsweise Automobilhandel oder Fahrzeugtechnik an.

Das Heineken-Auto Service Center engagiert sich auf jeden Fall für eine qualitativ hochwertige Ausbildung und sichert mit nachhaltigem Können nicht zuletzt auch die Langlebigkeit der Kfz-Raritäten. Für Olaf Heineken und seine Crew steht zumindest fest, dass sie auch in Zukunft die Wartburghistorie weiter pflegen und den Fahrtwind genießen wollen. So wie es über 100 Jahre zuvor im Süden Deutschlands seinen Anfang genommen haben soll: 1899 erhielt in München ein Wartburgfahrer die erste deutsche Fahrerlaubnis.

Anbieter:

Kontakt:
Heineken-Auto Service Center
Inhaber: Olaf Heineken
Hofbuschweg 20/24
09618 Großhartmannsdorf
Telefon/Fax: 037329 4139
Internet: www.olaf-der-restaurator.de
 
Tipp:
Weitere attraktive Zusatzqualifikationen und duale Studiengänge im Automobilwesen finden Nutzer in der Datenbank von AusbildungPlus mit den Suchbegriffen "Automobil", "Kraftfahrzeug" oder "Kfz" sowie auf dieser Infoseite zur Automobilbranche.

 
 

Herausgeber: Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)
Der Präsident
Robert-Schuman-Platz 3
53175 Bonn
http://www.bibb.de

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Namentlich gekennzeichnete Beiträge stellen nicht unbedingt die Meinung des Herausgebers dar.