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Otto-von-Guericke Universität Magdeburg
Die Landeshauptstadt Sachsen-Anhalts bietet eine außerordentlich wettbewerbsfähige Hochschul- und Forschungslandschaft. Da wundert es nicht, dass eine der jüngsten Universitäten Deutschlands ein neues Zukunftsprogramm für die Wirtschaft an den Start gebracht hat. Die Otto-von-Guericke Universität in Magdeburg macht mobil gegen Fachkräftemangel in Sachsen-Anhalt und bringt die Berufspädagogik im dualen Studienmodell erstmalig ins Spiel: Bachelor of Science für Berufsbildung in ingenieurwissenschaftlichen Fachrichtungen lautet der Programmtitel. Studenten können seit dem Wintersemester 2006/07 eine Fachrichtung der Elektro-, Metall-, Verfahrens- und System- sowie Bau- oder Informationstechnik (IT) mit betriebspädagogischen Inhalten kombinieren und gleichzeitig einen industriellen oder handwerklichen Beruf erlernen. Mit dieser Doppelqualifikation sind sie als zukünftige Ausbilder hervorragend gerüstet, denn sie kennen beide Seiten der Medaille - sowohl die Theorie als auch die Praxis.

Foto: Die hohe Theorie im Hörsaal
"Mit diesem neuartigen Qualifizierungsweg möchten wir ganz gezielt unseren zukünftigen Ausbildernachwuchs für technische Berufe heranbilden," erläutert Norbert Kuhn vom ersten Partnerbetrieb Siemens Professional Education in Leipzig. Dort ist der ehemalige Techniker seit 1982 in der Ausbildung und heute im Bewerbermarketing der Siemens AG für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen tätig. Siemens ist Routinier bei dualen Studiengängen und schwört bereits seit mehreren Jahren auf dieses langfristig angelegte Personalentwicklungsinstrument, um Fach- und Führungskräfte an das Unternehmen zu binden. Aber auch andere regionale Unternehmen der mittelständischen Wirtschaft will die Universität Magdeburg für das Kooperationsprogramm gewinnen. Finanziellen Rückenwind erhält die Studienidee außerdem durch das Land Sachsen-Anhalt und der Bund-Länder-Kommission im Rahmen des Modellversuchs "Weiterentwicklung dualer Studiengänge im tertiären Bereich".
Premiere für Berufspädagogik
Einer der ersten 10 Studierenden im neuen Bachelorstudiengang ist der 21-jährige Florian Trummer. Seine erste Karriereetappe ist zunächst die Ausbildung zum Elektroniker für Automatisierungstechnik. Später soll er nämlich selbst in diesem Beruf ausbilden. Er lernt, wie hochkomplexe, rechnergesteuerte Anlagen wie zum Beispiel Produktionsautomaten eingerichtet, programmiert und getestet werden. Fällt ein Sensor aus oder schließt ein Ventil nicht richtig, beginnt die schnelle Fehlersuche und richtige Stördiagnose, um eine Anlage wieder ans Laufen zu bringen.

Foto: Florian Trummer im Labor von Siemens
"Mit meiner eher lässigen Schulzeit kann man das hier aber nicht vergleichen. Während der Ausbildung bei Siemens muss ich in der Regel um 7 Uhr auf der Matte stehen," schildert Florian den betrieblichen Alltag. Auch wenn die Praxisintensität enorm fordert, sind die betrieblichen Erfahrungen eine wertvolle Basis für die spätere Ausbildertätigkeit. Denn die dualen Studenten sind keine Fachtheoretiker, sondern wissen aus eigener Erfahrung, worauf es in der Praxis ankommt. Der Betriebsalltag und die universitäre Wissenschaft sind daher eng miteinander verzahnt und ersetzen den Berufsschulunterricht, erklärt Florian: "Die ersten fünf Semester verlaufen parallel zur Berufsausbildung, in denen wir in Mathematik, Physik, Elektrotechnik, Digitaltechnik, Informatik und BWL fit gemacht werden. Außerdem gibt es noch für den Berufsschwerpunkt Elektrotechnik die spezielle berufliche Fachrichtung Automatisierungstechnik/Mechatronik."

Foto: Chips und mehr in der Elektrotechnik
Ab dem 4. Semester stehen schließlich die ersten Uni-Module in Berufspädagogik an – für die Jungtechniker heißt das Neuland. Aber was nutzt das beste Wissen, wenn es nicht vermittelt werden kann? So sieht Florians ausgeklügelter Karriereplan bei Siemens vor, dass er bereits nach seiner 2,5-jährigen Berufsausbildung als Ausbilder im Unternehmen eingesetzt wird, um erste Trainer-Erfahrungen zu sammeln. "Unsere Studenten werden als frisch ausgebildete Facharbeiter selbst vor Auszubildenden stehen, selbständig Ausbildungsunterlagen erstellen und Projekte leiten," erläutert Norbert Kuhn den früh gesteckten Berufsweg. "Parallel dazu nehmen sie auch an internen Pädagogikseminaren teil, in denen vor allem die Planung und der Transfer von Ausbildungsinhalten, die Vorbereitung auf Abschlussgespräche und das Erstellen von Ausbildungsmaterialien vermittelt werden. Ergänzend fördern wir ihre überfachlichen Qualifikationen mit Maßnahmen wie Projekt- und Prozessmanagement sowie Kommunikationstrainings."
Ausbilder der besonderen Art
Die Berufsperspektiven sind aber noch weit verlockender. Zum einen sind die Absolventen nach ihrem vierjährigen Unistudium als Ausbilder, Trainer oder Dozent im berufspraktischen oder –theoretischen Unterricht an einem der rund 50 Ausbildungsstandorte von Siemens tätig. Zum anderen haben sie mit ihrem Fachwissen und ihren Kenntnissen betriebsinterner Abläufe gute Aussichten, rasch die Karriereleiter ins Bildungsmanagement von Siemens aufzusteigen. Und wer nebenbei auch noch einen berufsbegleitenden Masterstudiengang in Berufsbildung absolvieren möchte, hat zum Beispiel die Wahl zwischen "Betriebliche Berufsbildung und Berufsbildungsmanagement" oder "International Vocational Education".

Foto: Die 10 Stipendiaten von Siemens sind ein gutes Team
"Das sind Aussichten, die nicht viele haben," ist Florian überzeugt und sieht einen weiteren Vorteil in der finanziellen Absicherung. "Ich bekomme für die gesamte vierjährige Ausbildungszeit ein monatliches Stipendium in Höhe von 500,- € brutto plus Fahrtkosten und Wohngeldzuschuss für das Pendeln zwischen Leipzig und Magdeburg. Und für einen zusätzlichen Motivationsschub sorgt noch die von Siemens gezahlte Leistungsprämie."
Dass in diesem Studiengang aber nicht nur die Leistung zählt, sondern vor allem auch die Sozialkompetenzen, weiß Norbert Kuhn: "Gerade als Ausbilder oder Dozent hat man viel Kontakt zu anderen Menschen." Aus diesem Grund empfiehlt Norbert Kuhn anderen interessierten Unternehmen, sich bei der Auswahl der Bewerber vor allem auf deren Souveränität und auf die passende Teamzusammenstellung zu konzentrieren.
Mehr duale Studiengänge an der Uni Magdeburg
Auf der Homepage der Uni Magdeburg erfahren interessierte Jugendliche alle nötigen Infos zu den Betrieben und Bewerbungsvoraussetzungen. Unternehmen, die an einem dualen Studium für ihre Nachwuchskräfte interessiert sind, können sich direkt an den Studienkoordinator Dipl.-Ing. Klaus Weisenbach wenden.

Foto: Erster Kooperationsvertrag unterschrieben - Siemens und Universität im Schulterschluss
Und noch ein letzter Hinweis: Auch die Fakultät für Informatik bietet seit dem Wintersemester 2006 vier Bachelorstudiengänge als duale Studiengänge an. Weitere duale Studiengänge in den Ingenieurwissenschaften werden ab dem kommenden Wintersemester 2007/2008 in den Fachrichtungen Elektrotechnik, Maschinenbau sowie Verfahrens- und Systemtechnik angeboten!
Kontakt
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
Fakultät für Geistes-, Sozial- und Erziehungswissenschaften
Prof. Dr. Klaus Jenewein
Dipl.-Ing. Klaus Weisenbach
Institut für Berufs- und Betriebspädagogik
Zschokkestraße 32, Gebäude 40
39104 Magdeburg
Tel.: 0391 67-16623 oder -16638 oder -11011
Fax: 0391 67-16550
E-Mail: klaus.weisenbach@gse-w.uni-magdeburg.de
Homepage: www.uni-magdeburg.de/dualTipp: Mehr Infos zu den dualen Studiengängen an der Otto-von-Guericke Universität in Magdeburg liefert die Datenbank AusbildungPlus. Bundesweit sind aktuell insgesamt 23 duale Studiengänge an Universitäten ausführlich in der Datenbank beschrieben.