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Ausbildungsangebot des Monats - März 2007

Deutsch-Polnisches Ausbildungsprojekt ProPolska

Anbieter:
Oberstufenzentrum Bürowirtschaft und Verwaltung in Berlin

 
 
 
 

Mit einem "Dzieñ dobry!"- was soviel heißt wie: "Guten Tag!" wird Bernd Sturm bald seine polnischen Arbeitskollegen begrüßen können. Vor einem halben Jahr hat er seine Ausbildung zum Kaufmann für Bürokommunikation bei der Senatsverwaltung für Inneres in Berlin begonnen. "Dass ich einmal Polnisch lernen würde, habe ich meiner polnischen Verlobten zu verdanken," lacht Bernd. "Ich bin jetzt Teilnehmer im ProPolska-Projekt meiner Berufsschule und werde sogar einige Monate meiner Ausbildung in Polen verbringen." Während hierzulande an deutschen Schulen kaum Polnisch unterrichtet wird, gibt es auf Nachbarsseite rund 2,6 Mio. polnische Schüler, die Deutsch lernen. Seit am 1. Mai 2004 die Zollschranken entlang der Oder gefallen und Ost und West wieder ein Stück näher gerückt sind, wächst jedoch der wirtschaftliche und kulturelle Austausch über die Landesgrenzen hinweg. Neue Absatzmärkte und steigende Exporte sind nicht nur Schlagworte, sondern auch Fakt: Heute gehört Polen zusammen mit der Tschechischen Republik zu den wichtigsten Handelspartnern Deutschlands in Mittel- und Osteuropa und umgekehrt ist Deutschland der wichtigste Handelspartner Polens. Gerade für Unternehmen aus der Berlin-Brandenburger Wirtschaftsregion, die den Blick nach Osten richten und neue Marktchancen nutzen wollen, sind Polnischkenntnisse und internationales Fachwissen ihrer Mitarbeiter wichtige Wettbewerbsfaktoren. Und dasselbe gilt für die polnischen Wirtschaftspartner.

Polska i Niemcy – Polen und Deutschland wachsen zusammen

Das ProPolska-Ausbildungsprojekt des OSZ Bürowirtschaft und Verwaltung in Berlin ist ein Ansatz, die polnische Sprachlücke in der deutschen Berufsbildung zu schließen und gleichzeitig berufliche Mobilität zu fördern. "Vielen Deutschen ist der Osten leider noch fremd und es herrschen viele Vorurteile," sagt Gerhard Schnepel, Projektleiter des internationalen Ausbildungsganges am Oberstufenzentrum für Bürowirtschaft und Verwaltung Berlin. Und das, obwohl es zwischen beiden mitteleuropäischen Ländern viele verbindende Ziele und Werte gibt. "Wir verstehen uns als Brückenbauer zwischen jungen Menschen und Unternehmen aus Polen und Deutschland," bekräftigt Gerhard Schnepel. Mit dem bilateralen Austauschprojekt ProPolska, welches vom OSZ in Berlin koordiniert wird, können Auszubildende zum Kaufmann/frau für Bürokommunikation seit September 2002 erstmals in Deutschland Wirtschaftspolnisch als erste Fremdsprache lernen. Zielgruppe sind einerseits Auszubildende mit polnischen Wurzeln, aber auch interessierte deutsche Auszubildende mit Mittlerer Reife.

"Auf dem Stundenplan stehen wöchentlich vier Stunden Polnisch, aufgeteilt in einen Anfänger- und Fortgeschrittenenkurs. Außerdem machen wir uns mit dem polnischen Kulturgut, der Wirtschaft und Geschichte vertraut," schildert Bernd Sturm seine ersten schulischen Eindrücke. Aber die intensive Sprach- und Landeskunde ist nur der Anfang. Anwenden lassen sich vor allem die Sprachkenntnisse am besten im Ausland. Dafür werden die anderen regulären Fächer wie Wirtschaftslehre, Bürowirtschaft und Informationsverarbeitung stark verdichtet, damit die Auszubildenden im zweiten Lehrjahr für vier bis sechs Monate in Polen arbeiten können. "Die Ausbildungszeiten im Ausland zählen aber wie die regulären Ausbildungszeiten im Inland," was Bernd als besonderen Pluspunkt empfindet. Damit schließen die Auszubildenden ihre Ausbildung in der gewohnten Zeit von drei Jahren mit einer KMK-Sprachprüfung in Wirtschaftspolnisch, der kaufmännischen Prüfung vor der Industrie- und Handelskammer und mit einer Bescheinigung im Europass ab.

Foto: Bernd Sturm im Gespräch mit seinem Praktikumsanleiter

Mobile Ausbildung mit Polnisch

"Der mehrmonatige Aufenthalt in Polen ist eine intensive Begegnung vor Ort und durch seine Dauer noch immer eine Besonderheit im deutschen Berufsbildungssystem," betont Gerhard Schnepel. "Denn je länger der Auslandsaufenthalt, desto größer der Lernerfolg." In den polnischen Unternehmen, Forschungs- und Bildungsinstituten oder deutschen Tochterunternehmen haben die Auszubildenden optimale Bedingungen, um ihren sprachlichen, kulturellen und kaufmännischen Horizont zu erweitern. Passend zu ihrem Ausbildungsberuf sind daher typische Aufgaben im Praktikum Verwaltungsarbeiten und Sachbearbeitung, Datenarchivierung und Textverarbeitung, Verkauf und Versand sowie Materialbeschaffung und Rechnungswesen.

Die polnisch-stämmige Agnieszka Jeziorski, ehemalige Auszubildende bei der Deutschen Telekom AG in Berlin, verbrachte vier Monate bei der polnischen Mobilfunkgesellschaft Polska Telefonia Cyfrowa in Warschau. "Dank meiner guten Polnischkenntnisse hatte ich keine Probleme, mich mit den Arbeitskollegen und Kunden zu verständigen. Ich war in der Abteilung Personalentwicklung eingesetzt, wo ich hauptsächlich bei den Bewerbungsverfahren mitarbeitete." Gewöhnungsbedürftig waren anfangs die förmliche Kleiderordnung und neuen Arbeitsweisen, so Agnieszka, aber sie sei schnell im Team integriert worden. Neben der Arbeit kamen aber auch Freizeit und Vergnügen in den schicken Geschäften und Cafes nicht zu kurz, denn die selbstbewusste Hauptstadt Warschau ist nach dem EU-Beitritt Polens längst in der Nowy Swiat – der Neuen Welt – angekommen.

Auch die Betriebe – sowohl auf deutscher wie auf polnischer Seite – konnten ein bislang positives Resümee ziehen. Das bestätigt Elvira Brede, Ausbildungsleitern der Senatsverwaltung für Inneres und Sport in Berlin: "Sieben unserer derzeit 135 Auszubildenden zum Kaufmann/frau für Bürokommunikation beteiligen sich am Projekt ProPolska. Der Auslandsaufenthalt hat bei allen Auszubildenden zu größerer Selbständigkeit sowie Offenheit gegenüber anderen Menschen verholfen. Das halte ich für enorm wichtig."

Foto: Westkultur trifft auf Ostkultur - Die Museumsinsel in Berlin...

Als offen, engagiert und effizient erlebten auch die polnischen Partnerbetriebe die deutschen Auszubildenden und konnten sie besonders gut für Kundenkontakte und Korrespondenzen einsetzen, so ein Umfrageergebnis des OSZ Berlin. Juliane Ermel absolvierte ihr Praktikum in der Abteilung Public Relations des Collegium Polonicum, einer internationalen Lehr- und Forschungseinrichtung in Slubice. Dort war sie für den Pressespiegel zuständig: "Ich habe nach ausgewählten Themen recherchiert, formulierte Presseinformationen und übersetzte kurze Texte," erinnert sich Juliane. Privat war sie damals in einer Wohngemeinschaft mit fünf anderen jungen Studentinnen der Europa-Universität in Slubice untergebracht. Gemeinsame Unternehmungen, temperamentvolle Diskussionen und ein hoher Spaßfaktor prägten ihre spannende Zeit in Slubice und schnell lernte Juliane die unterschiedlichen Lebensstile und Mentalitäten der polnischen Gastgeber kennen.

Zweisprachigkeit kann Arbeit und Zukunft bedeuten

"Nach ersten Praktika in Warschau, Krakau, Breslau und Slubice ist Dreh- und Angelpunkt des Austauschprogramms aber nun die Stadt Poznan, um eine bessere Betreuung und Evaluation zu gewährleisten," erklärt Gerhard Schnepel. Die Stadt ist von Berlin aus schnell zu erreichen und hat sich in den zurückliegenden Jahren zur modernsten und wichtigsten Industrieregion in Westpolen entwickelt. "Hier sind mehr als 300 deutsche Unternehmen, von Töchtern großer Firmen wie Volkswagen bis zu kleinen und mittleren Unternehmen, ansässig. Außerdem haben wir eine Partnerschule, die eine gute Begleitung vor Ort möglich macht," sagt Gerhard Schnepel.

Foto: ...und der Alte Markt von Posen.

Kein Zweifel - die Ausbildungsphase in polnischen Partnerbetrieben hinterlässt nachhaltige Eindrücke und zeigt erste Erfolge: So gab es erstmalig konkrete und lukrative Einstellungsangebote für deutsche Auszubildende in Polen. Auch Bernd Sturm sieht seine zukünftige Arbeitsstelle in einem Unternehmen, welches intensive Kontakte zu Polen unterhält: "Ich könnte mir sogar vorstellen, in der freien Wirtschaft in Polen zu arbeiten," überlegt er weiter.

Aber ein Selbstläufer ist das Projekt noch lange nicht, trotz Förderung durch das Mobilitätsprogramm Leonardo da Vinci. Momentan tragen vorwiegend die Senatsverwaltung für Inneres und einzelne Bezirksämter in Berlin das Bildungskonzept ProPolska, was den hohen politischen Stellenwert bei der Stadt Berlin zeigt. Das Engagement der Betriebe könnte aber noch stärker werden, auch wenn etliche intensiv für das Projekt werben. "Wünschenswert wäre die stärkere Einbindung von Handwerk, Industrie und den Unternehmen des Dienstleistungssektors," betont Gerhard Schnepel.

Foto: Die Delegation polnischer Berufsschullehrer/innen zeigt großes Interesse an der dualen Berufsausbildung in Deutschland (rechts: Gerhard Schnepel)

Dennoch soll die Sonderklasse ProPolska weiterhin Schule machen und in den nächsten Jahren mit einer stärkeren inhaltlichen Kooperation zwischen deutschen und polnischen Berufsschullehrern fortgeführt werden. "Mile widziany! Herzlich willkommen!" - könnte somit dauerhaft ein Lockruf für Betriebe aus Berlin und Polen mit multikulturellem Selbstverständnis sowie leistungsfähige und neugierige Auszubildende werden.

Kontakt

Weitere Fragen von interessierten Jugendlichen und Unternehmen aus der Berliner Region beantwortet das OSZ Berlin:

Oberstufenzentrum Bürowirtschaft und Verwaltung
Lippstädter Straße 9 -11
12207 Berlin
Herr Gerhard Schnepel
Tel. 030 90172-501
Fax 030 90172-509
E-Mail: propolska@oszbueroverw.de
Internet: www.oszbueroverw.de

Tipp:
In der Datenbank von AusbildungPlus sind mit dem Stichwort "Ausland" zahlreiche andere internationale Ausbildungsprogramme beschrieben.