Sie befinden sich hier:

 
 

Einstellungen

Textvergrößerung

Darstellungsstil

   

 
 
 
 

Ausbildungsangebot des Monats - Februar 2007

"Betriebswirtschaft KMU" für das Handwerk

Anbieter:
Berufsakademie Hamburg

 
 
 
 

Nur noch wenige Handgriffe an der Holzoberfläche, dann kann Lasse Schley den elegant geschwungenen Empfangstresen an den Firmenkunden liefern. Der 23-Jährige ist zwar noch Tischler in Ausbildung, aber für die unterschiedlichsten Kundenaufträge trägt er bereits viel Verantwortung - und entwickelt dabei sowohl handwerkliches Geschick, als auch Geschäftssinn. Denn Lasse ist nicht nur irgendein Auszubildender: Er studiert gleichzeitig Betriebswirtschaft an der Berufsakademie Hamburg. Sein Ausbildungsbetrieb, die Edgar Ritter Holzdesign GmbH & Co. KG in Hamburg, hat die Lehrstelle für den Tischler und BA-Studenten geschaffen - verspricht sich der mittelständische Betrieb doch viel vom Leistungspotenzial des Abiturienten. Sie möchten Lasse als fähigen Nachwuchs langfristig an das Unternehmen binden und von seiner akademischen Bildung profitieren. Denn die Studenten, die ihre Lehre mit diesem Wirtschaftsstudium verbinden, sind für Führungspositionen prädestiniert. Sie bringen mit, worauf es im Arbeitsalltag ankommt: theoretisches Wissen, technisches Können, Berufserfahrung und persönliche Verantwortung.

Das Handwerk sorgt für Nachwuchs

"Ich wollte schon immer gerne mit Holz arbeiten. Aber die reine Praxis war mir zu wenig. Daher kam mir das neue Studienmodell wie gerufen," erinnert sich Lasse. Er ist einer von 38 Studenten, die im Oktober 2006 die neuartige Karrierechance ergriffen haben. "Betriebswirtschaft KMU" heißt das Studium an der neu gegründeten Berufsakademie in Hamburg und ist gezielt auf kleine und mittlere Unternehmen im Handwerk zugeschnitten. Das kaufmännisch betonte duale Studium ist als eine attraktive Ergänzung zur eher technisch geprägten Meisterausbildung im Handwerk gedacht und will den Nachwuchssorgen beim Mittelstand bedarfsorientiert entgegenwirken. Alleine im Hamburger Handwerk steht in den kommenden fünf Jahren jeder vierte Betrieb zur Übernahme an.

"Langfristig kann nur am Markt bestehen, wer sein Unternehmen auch wirtschaftlich gut steuert", betont Akademieleiter Dr. Joachim von Kiedrowski. "Viele leistungsstarke Jugendliche mit Abitur und Fachhochschulreife gehen in die großen Industriebetriebe, weil ihnen dort die Karrierewege nach wie vor attraktiver erscheinen. Mit diesem Studium möchten wir daher gezielt Anreize und Aufstiegschancen für junge Leute mit Hochschulreife im Handwerk schaffen und altmodische Ansichten über das Handwerk ausräumen." Träger der Bildungsinitiative sind die Handwerkskammern Hamburg, Schwerin und Lüneburg-Stade sowie acht Innungen der Hansestadt Hamburg. Und einhellig begrüßt wird der innovative Karrieremix von mittlerweile 50 Kooperationsbetrieben aus dem Handwerk. Sie können sich endlich selbst um ihren qualifizierten Nachwuchs kümmern. Ein entscheidender Vorteil für die Handwerksbetriebe ist, dass das duale Betriebswirtschaftsstudium mit allen Berufsfeldern kombinierbar ist. So sind unter den BA-Studenten alleine 17 unterschiedliche Ausbildungsberufe vertreten – vom Friseur und Metallbauer bis hin zum Tischler und Zahntechniker.

Kristina Drewes aus dem benachbarten Schleswig-Holstein vertritt die Zunft der Metallbauer. "Ich komme aus einem Familienbetrieb mit 20 Mitarbeitern und könnte mir sehr gut vorstellen, das traditionsreiche Unternehmen in eigener Hand weiter zu führen," meint Kristina. Schon nach vier Jahren kann die 20-Jährige ihrem elterlichen Betrieb, der Karl-Ernst-Koch Schlosserei und Metallbau GmbH, als Jungunternehmerin zur Seite stehen. "Sehr gut finde ich, dass man am Ende zwei berufsqualifizierende Abschlüsse hat: Einmal den Gesellen- bzw. Facharbeiterbrief nach zweieinhalb bis drei Jahren und zum anderen den international anerkannten Bachelorabschluss. Mein Abitur kann ich also dafür bestens nutzen," erklärt Kristina begeistert.

Ablauf und Inhalt

Dafür ist der Zeitplan dicht gedrängt und lässt im Gegensatz zu einem eingleisigen Regelstudium nicht allzu viele Freiheiten zu. Freitagnachmittag und Samstagmorgen gehen Lasse und Kristina zur Berufsakademie. Dazu kommen noch der Blockunterricht an der Berufsschule einmal im Quartal sowie die überbetrieblichen Lehrgänge in der Innung. Und die praktische Ausbildung im Betrieb findet verteilt über die Woche statt. Bei der Mehrfachbelastung ist Ausdauer angesagt, so Lasse: "Bei vier Lernorten habe ich schon manchmal das Gefühl, zwischen mehreren Fronten zu stehen. Die fachlich gute Betreuung und das Teamgefühl unter uns Kommilitonen wiegt das Ganze aber wieder auf. Außerdem gibt es viel, was wir mit dem Studium erreichen können."

Eine Grundlage für den Karriereaufstieg schafft die anspruchsvolle Fachtheorie an der Berufsakademie: Controlling über Marketing bis Unternehmensführung stehen als Module im Curriculum. Und was an weiteren Berufskompetenzen heutzutage in aller Munde ist, vermittelt die Berufsakademie gleich mit. Die zukünftigen Führungsköpfe machen sich in Präsentationstechniken, Gesprächs- und Verhandlungsführung, interkultureller Kommunikation und Wirtschaftsenglisch fit. "Besonders interessant war bisher Strategisches Management. Wir haben Wettbewerbsinstrumente analysiert, um das Unternehmen optimal auf dem Markt zu positionieren," erzählt Lasse und fügt hinzu, dass ihn genau diese Herausforderungen reizen: "Das Mitdenken würde ich als eine meiner Stärken bezeichnen."

"Leistungswille und Durchhaltevermögen sind für das BA-Studium wichtig", meint Lasse Schley.

Karrierechancen im Handwerk

Auch die beiden Inhaber und gelernten Meister von Lasses Tischlerbetrieb wissen, dass es nicht mehr ausreicht, handwerkliche Spitzenleistung abzuliefern. Es muss auch betriebswirtschaftlich Hand und Fuß haben: wachsende Preiskämpfe, höhere Qualitätsansprüche und steigende Materialvielfalt kennzeichnen die Marktsituation. Obwohl sie ihrer bisherigen Linie mit designorientiertem Möbelbau und Inneneinrichtungen treu geblieben sind, haben sie mit ihrem zehnköpfigen Team in den neuen Bereich "Sonderbauteile" für Industrieunternehmen investiert und mit der größeren Aufgabenvielfalt zugleich ein Netzwerk an Partnerunternehmen aufgebaut. Ansatzpunkte für Lasse Schleys wirtschaftlich fundierter Analysen gibt es daher genug. Spätestens im Rahmen seiner Bachelorarbeit wird er dann ein Thema für seinen Betrieb bearbeiten. "Meine Chefs ermuntern mich aber schon jetzt, neue Ideen einzubringen," sagt Lasse. So gilt seine Aufmerksamkeit nicht nur dem Vorlesungsstoff, sondern genauso dem Arbeitsprozess in der Werkstatt.

"Ich bin zurzeit viel in der Produktion tätig, hantiere mit den unterschiedlichsten Materialien und habe auch schon ein eigenes Möbelprojekt selbständig durchgeführt," erzählt Lasse stolz. "Nach der Kundenberatung, den Entwürfen und der Materialbestellung wird der Auftrag an die Produktion weitergeleitet. Da müssen zum Beispiel Oberflächen bearbeitet und lackiert oder Holzverbindungen gebaut werden." Dabei fließt immer wieder sein betriebswirtschaftlicher Blick bei den Produktionsschritten ein. "Was ich anderen Unistudenten voraus habe, ist die Praxiserfahrung. Ich weiß, wofür ich die Theorie konkret anwenden kann. Das macht einfach viel Spaß und ist sehr effektiv!"

Ehrgeizige Berufsvisionen hat Lasse genug. Er möchte später eine beratende Tätigkeit ausüben oder eine Position mit Führungsverantwortung übernehmen. "Ein Masterstudium könnte ich mir auch vorstellen. Aber nur berufsbegleitend, denn mein praktisches Wissen möchte ich nicht verlieren," betont Lasse. Mit dem Studienabschluss der Berufsakademie Hamburg ist er auf viele anspruchsvolle Aufgaben bestens vorbereitet – sei es als Betriebsleiter, Assistent der Geschäftsführung, Controller, Personalleiter, Projektleiter, Leiter der Kundenbetreuung oder auch als Selbstständiger mit eigenem Betrieb. Selbst das nach wie vor bestehende Gütesiegel eines Meisters zu erwerben lohnt sich, denn das Berufsakademiestudium integriert die Vorbereitung auf gleich zwei von vier Teilen der Meisterprüfung.

Viele attraktive Karrierewege stehen den BA-Studenten somit offen – aber egal welchen davon sie letztendlich beschreiten werden, steht eines fest: Sie können schon jetzt mit einer über 80-prozentigen Übernahmesicherheit im eigenen Ausbildungsbetrieb rechnen. Denn bei Studiengebühren in Höhe von 290,- € im Monat, welche die Betriebe in der Regel zur Hälfte übernehmen, sollen sich die höheren Kosten für die Ausbilder auch rentieren.

Was man vor der Bewerbung wissen sollte

Praktisch begabte Jugendliche mit Abitur oder Fachhochschulreife, die eine Karriere im Handwerk anstreben, sind an der Berufsakademie Hamburg genau richtig. Wer dazu noch hoch motiviert und leistungsbereit ist, sollte sich gleich hier online bewerben. Ist das Auswahlverfahren an der Berufsakademie bestanden, steht als nächstes die Suche nach einem Ausbildungsbetrieb an. Die Berufsakademie Hamburg und die Handwerkskammern helfen bei der Lehrstellensuche. Das nächste Studienjahr beginnt am 1. Oktober 2007!

Kontakt
Berufsakademie Hamburg
Dr. Joachim von Kiedrowski
Holstenwall 12
20355 Hamburg
Tel.: 040 35905-566
E-Mail: info@ba-hamburg.de
Internet: www.ba-hamburg.de

Tipp
Mehr interessante duale Studiengänge und zahlreiche Zusatzqualifikationen für das Handwerk beschreibt die Datenbank AusbildungPlus. Die Angebote finden Nutzer u. a. mit dem Suchwort "Handwerk" oder durch Markieren des Ausbildungsberufes. Die aufgeführten Anbieter informieren zu allen weiteren Fragen rund um Inhalt und Ablauf.

(Alle Fotos wurden von der Berufsakademie Hamburg zur Verfügung gestellt.)