Anbieter:
Gewerbeschule für Gastronomie und Ernährung G11 in Hamburg
Auf der Projektfeier über "Die 20er Jahre" knallten die Korken. Die Barklasse der Gewerbeschule für Gastronomie und Ernährung G11 in Hamburg ließ die goldenen Zeiten wieder authentisch aufleben und stellte mit Mörser und Shaker ihr Können eindrucksvoll zur Schau. Renner waren vor allem die berühmten Cocktail-Klassiker wie Dry Martini und Gin-Fizz.

Foto: Startklar für die Abschlussfeier der Barklasse
Ihre "Lizenz zum Shaken" erwerben die Auszubildenden zum Restaurantfachmann/frau derzeit in einer besonderen Zusatzqualifikation zum Barmixer. Weil die Tätigkeit des Cocktailmischens in den letzten Jahren immer beliebter geworden ist, bietet die Gewerbeschule in Hamburg zusammen mit dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband Hamburg seit 2003 diesen Barmixer-Bonus an. Die in Hamburg konzipierte Zusatzqualifikation, die auch unter dem Begriff "Hamburger Modell" bekannt ist, hat inzwischen auch bundesweit für Furore gesorgt und gilt als Vorbild im Gastrogewerbe. Auszubildende, die mit ihrer gastgewerblichen Berufsausbildung gleichzeitig die Fortbildungsprüfung zum Barmixer vorweisen, können doppelt punkten und sind gefragte Profis in der Barszene.
Geschüttelt & gerührt
"Es macht mir riesigen Spaß, hinter der Theke zu stehen und Getränke zu mixen. Insgesamt haben wir in der Berufsschule schon 60 alkoholische und alkoholfreie Cocktails hergestellt. Aber wir lernen nicht nur die Rezepturen, sondern erfahren auch etwas über die Historie jedes Drinks," erzählt Mario begeistert, 23-jähriger Auszubildender im Hamburger Hotel Intercontinental und einer der Teilnehmer in der schulischen Barklasse.

Unterschiedliche Geschmacksnerven mit karibischer Fruchtexotik oder schlichter Eleganz zu treffen, macht sicherlich den Reiz einer Bartätigkeit aus, doch gehört zur anspruchsvollen Barmixerprüfung noch weit mehr. Was einen guten Barmixer auszeichnet, sind nicht nur extravagante Kreationen, eine gewinnende Ausstrahlung und ein gepflegtes Äußeres, sondern vor allem die perfekte Vor- und Zubereitung. Kein Tropfen darf verschüttet werden, kein Glas unterschiedlich gefüllt sein, schnell muss es gehen und die Garnitur muss dem Cocktail den letzten dekorativen Schliff geben. Schließlich trinkt das Auge bekanntlich mit. Gemischt werden kann praktisch alles, solange es miteinander harmonisiert: Spirituosen oder Säfte, Bananen- oder Karamellsirup, gelber Pfeffer oder Ananas. Außerdem muss ein Barmixer zwischen Fachbegriffen der Branche wie "straight up" oder "on the rocks" unterscheiden, sämtliche internationale Rezepturen im Kopf haben, die Herkunft der Zutaten erklären können, die Cocktailkarte für den Abend arrangieren und dafür alle erforderlichen Ingredienzen mit Blick auf Preis und Menge beschaffen.
Genau das lernt die ausgewählte Bargruppe in der Berufsschule: Bargetränkegruppen, Aufgussgetränke, Kaffeespezialitäten, alkoholfreie Getränke, Weine, Qualitätsschaumweine, Biere, Rezepturen und deren Herstellung stehen auf dem Lehrplan. Außerdem üben sie den Umgang und die Pflege der Arbeitsgeräte, richten fachmännisch Cocktailbars für den Abend ein und sie erwerben fundierte betriebswirtschaftliche Kenntnisse in Preiskalkulation und Warenbeschaffung.

Foto: Die Barklasse der Hamburger Gewerbeschule
Für die anspruchsvolle Zusatzqualifikation haben daher auch nur besonders leistungsstarke Auszubildende im 3. Lehrjahr, die von ihrem Klassenlehrer und Ausbildungsbetrieb empfohlen werden, Chancen auf die Sonderklasse. Sie müssen bereits 120 Arbeitsstunden im Barbereich ihres Ausbildungsbetriebes vorweisen, überdurchschnittlich motiviert, verantwortungsvoll, selbstständig und absolut verlässlich sein. Denn ob Karibik- oder Chill-out-Atmosphäre - Seriosität und Kompetenz sind Markenzeichen echter Barprofis und wesentliche Erfolgsfaktoren in diesem Metier.
Auf die Mischung kommt es an
Barmixer arbeiten überall in der Gastronomie: in mondänen Hotels und edlen Clubs bis hin zu skurrilen Szenekneipen und Bars. Ein guter Barprofi mit Stil und Charme ist zweifellos eine schillernde Person hinter der Theke, aber die soziale Komponente spielt auch eine ganz wesentliche Rolle. Denn die Bar als häufig letzter Treffpunkt der Nachtschwärmer lädt zu Gesprächen ein, bei denen schöne Erlebnisse aber auch Sorgen der unterschiedlichsten Menschen geteilt werden. Und häufig ist der Barmixer ein wichtiger Ansprechpartner für einen Gast aus der Fremde. Einfühlungsvermögen, Englisch und eine gute Allgemeinbildung sind daher wichtige Zusatzqualitäten, um ein angenehmes Gesprächsambiente zu schaffen. In der Barklasse trainieren die angehenden Restaurantfachleute daher nicht nur die fachlichen Grundlagen einer Bartätigkeit, sondern auch Kommunikationstechniken, damit sie gewandt und professionell alle Arten von Gesprächen - sei es mit den Lieferanten oder Kunden - führen können.
Außerdem haben sie die einmalige Chance, sich bereits im Rahmen der Zusatzqualifikation durch die Mitarbeit auf Fachmessen wie der Internorga oder der ITB in Berlin, durch die Organisation von Veranstaltungen und die Teilnahme an Wettbewerben einen Namen in der Szene zu machen. So erzielte Christoph Timm, ehemaliger Teilnehmer der Barklasse und Auszubildender im Steigenberger Hotel Hamburg, beim internationalen Finale des 7. Cocktail-Wettbewerbs "Calvados Nouvelle Vogue" im französischen Deauville einen 3. Platz hinter Frankreich und Holland –"Golden Delicious" hieß sein klangvoller Erfolgsmix.

Foto: Professionelles Können und...
Wenn es auf der anderen Seite um die Planung einer Veranstaltung geht, heißt eine typische Aufgabe: "Auf dem diesjährigen Sommerempfang des DeHoGa Hamburg sollen Sie einen Cocktailstand ausrichten. Zielgruppe sind die DeHoGa und geladene Gäste. Das Motto lautet Sommerempfang. Die Feier findet im Garten des Anglo-German Club ab 18.00 Uhr statt und wird von Bacardi Deutschland gesponsert" – damit wissen die angehenden Barmixer, was zu tun ist und wirbeln mit Organisieren, Kalkulieren, Ordern, Dekorieren und Herstellen los. Die 21-jährige Heike ist Auszubildende im noblen Raffles Hotel Vier Jahreszeiten in Hamburg und meint: "Das Hotel ist eine Luxusherberge mit langer hanseatischer Tradition. Daher organisiere ich bereits viele interne Veranstaltungen und Bankette mit. Für die anspruchvollen Gäste aus aller Welt und die vielen Promis muss aber alles bis ins letzte Detail durchgeplant sein, perfekt ablaufen und schön aussehen. Das zusätzliche Training in der Barklasse hilft mir dabei sehr gut. Mein Fachwissen habe ich bereits erweitert und intensiviert und ich bin außerdem noch sicherer bei den verschiedenen Arbeitsschritten geworden."
Mit Zertifikat fit hinter der Bar
Trotz der hohen Anforderungen, die an einen Barmixer gestellt werden, ist die Berufsbezeichnung Barmixer nicht geschützt. Umso mehr können sich die Auszubildenden der Gewerbeschule in Hamburg mit ihrer Doppelqualifikation in einem Berufsfeld professionell hervortun, wo andere nicht immer fundierte Ausbildungen mitbringen. Und gleichzeitig haben die Absolventen der Barklasse Zeit und Geld gespart. Die zusätzlichen Inhalte sind komplett in den zwei sechswöchigen Blockunterrichtsphasen des 3. Lehrjahres integriert und für die ausgewählten Auszubildenden, bei denen man auf eine Begabung im Umgang mit Menschen und auf einen Sinn für "guten Geschmack" schließen kann, ist die Teilnahme an der Zusatzqualifikation ohne Kosten verbunden.

Foto: ...guter Stil sind gefragt.
Die Abschlussprüfung zum Barmixer wird am Ende der Ausbildung von der Handelskammer Hamburg sowohl schriftlich als auch praktisch abgenommen. Für die Prüfungszulassung müssen die Auszubildenden eine einschlägige Berufspraxis von mindestens 30 Monaten und mindestens 80 Unterrichtsstunden an der Berufsschule nachweisen sowie das 20. Lebensjahr vollendet haben. Ist die Prüfung erfolgreich bestanden, stellt die Handelskammer ein Zeugnis aus, welches die einzelnen Noten der Prüfungsfächer enthält. "Das Zertifikat ist ein wichtiger Nachweis für meine Leistungsbereitschaft," sagt Mario überzeugt. "Ich glaube, dass gerade in der Gastronomie der Spruch 'Vom Tellerwäscher zum Millionär' vom Sinn her zutrifft. Ich meine damit natürlich nicht, dass jeder steinreich wird, aber wer hier viel leistet, kann viel erreichen."
Für den erfolgreichen Berufseinstieg als Cocktailkünstler gibt es aber nicht nur unter der Bezeichnung Barmixer Stellen, sondern auch unter Namen wie Barmann, Barmaid, Barkeeper, Bartender, Demichef de bar und Commis de bar. Dann können die jungen Barmixer mit viel Kreativität, Ästhetik, perfekter Technik und gründlichem Wissen die Flaschen fliegen lassen.
Kontakt:
Gewerbeschule für Gastronomie und Ernährung G 11
Dagmar Henning-Greve
Fachgruppenleiterin Restaurantfachleute / Barmixer
Angerstraße 4
22087 Hamburg
Tel.: 040 42859-3423
Fax: 040 42859-3128
Internet: www.g-11.deTipp:
In der Datenbank von AusbildungPlus sind viele andere hochwertige Ausbildungsangebote in der Gastronomie und Hotellerie dokumentiert. Diese lassen sich am einfachsten mit den Suchwörtern "Gastro" und "Hotel" finden.(Die Fotos wurden von der Gewerbeschule für Gastronomie und Ernährung G11 in Hamburg zur Verfügung gestellt.)