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Berufliche Schulen am Schützenpark Bau und Nahrung in Kiel
Sprachen öffnen Türen zu Lebensformen, Wertvorstellungen und Arbeitsweisen anderer Kulturen. Menschen, die eine andere Sprache sprechen, und seien es auch nur ein paar freundliche Worte, können mit ausländischen Partnern besser kommunizieren, sind mobiler und haben nicht zuletzt weit mehr Bildungs- und Arbeitsmarktchancen. Weltweit sprechen etwa 340 Millionen Menschen Englisch als Muttersprache - ein Grund, weshalb uns vor allem diese Sprache im Berufsleben und im privaten Alltag auf Schritt und Tritt begegnet. Bedienungsanleitungen sind in Englisch verfasst, Vorlesungen werden auf Englisch gehalten und im Job korrespondieren Handelspartner in der Geschäftssprache Nr. 1. So erwarten bereits über die Hälfte aller deutschen Unternehmen Fremdsprachenkenntnisse von ihren Mitarbeitern und dies nicht nur im Dienstleistungssektor. Im Arbeitsleben sollte daher jeder - vom Manager bis zur Fachkraft - auf die Frage „Do you speak English?“ gut vorbereitet sein.
Damit die Nachwuchskräfte von Morgen auf dem globalen Arbeitsmarkt mithalten können, werden vor allem internationale Qualifikationen in der Berufsausbildung immer wichtiger und nicht erst seit der Novellierung des Berufsbildungsgesetzes stärker gefördert.
Auch die Kultusministerkonferenz treibt diesen Bildungstrend voran und hat für Auszubildende ein bundeseinheitliches Fremdsprachen-Zertifikat geschaffen. Das KMK-Fremdsprachen-Zertifikat prüft und attestiert berufsrelevante Fremdsprachenkompetenzen und bringt dadurch merkliche Vorteile bei Bewerbungen im In- und Ausland. Denn ob in Hamburg oder London - das Zertifikat ist europaweit anerkannt.
Den Mehrsprachigen gehört die Zukunft
Frische Inhaberin des Zertifikats ist Julia. Die 20-jährige ist im 3. Ausbildungsjahr zur Hotelfachfrau und hat das KMK-Fremdsprachen-Zertifikat in Englisch erst kürzlich an ihrer Berufsschule in Kiel erworben. „Für Bewerbungen ins Ausland oder für die Bereiche Hotelservice und Rezeption ist mindestens eine Fremdsprache Pflicht,“ meint die forsche Auszubildende. „Da die Prüfung außerdem freiwillig ist, konnte ich ja nichts verlieren, sondern nur gewinnen. Mit dem Zertifikat weiß ich jetzt, wo ich mit meinem Englisch stehe.“ An ihrer Berufsschule am Schützenpark Bau und Nahrung in Kiel wird die Prüfung immer ein halbes Jahr vor Ausbildungsende durchgeführt, damit auch Teilnehmer verkürzter Ausbildungen das Zertifikat mit ihren Bewerbungen verschicken können.

Foto: Für die KMK-Fremdsprachen-Prüfung werden
Alltagssituationen in Englisch geübt - Check-In an der Hotelrezeption...
Bundesweit haben insgesamt 27.000 Schüler in der beruflichen Erstausbildung im Schuljahr 2004/2005 an der KMK-Fremdsprachen-Prüfung teilgenommen. Die Erfolgsquote lässt sich sehen: Etwa 90 Prozent bestanden die Prüfung, wobei Englisch mit Abstand am häufigsten geprüft wurde. Es muss aber nicht nur Englisch sein. Auch für Französisch, Spanisch, Niederländisch, Russisch, Italienisch und Polnisch gab es Anmeldungen – ein Zeichen, dass eine einzige Fremdsprache oftmals nicht mehr ausreicht und Berufsschüler zunehmend polyglott werden.

Foto: Auszubildende beraten den Gast und nehmen Bestellungen auf...
Die Prüfungsrichtlinien für das KMK-Fremdsprachen-Zertifikat legte die Kultusministerkonferenz im Jahr 1998 einheitlich fest. Demnach gilt, dass alle Prüflinge zwischen drei Niveaustufen wählen können, die den vom Europarat definierten Leistungsstufen entsprechen: Waystage (Niveau I), Threshold (Niveau II) und Vantage (Niveau III). Innerhalb dieser Leistungsstufen sollen sie ihre Fremdsprachenkenntnisse in vier Kompetenzbereichen sowohl schriftlich als auch mündlich unter Beweis stellen. Das heißt: Fremdsprachliche Texte verstehen, lesen (Rezeption) und schreiben (Produktion), deutsche oder fremdsprachliche Texte in die jeweils andere Sprache dolmetschen (Mediation) und Gespräche führen (Interaktion).
Mit diesem Regelwerk kann somit jede Berufsschule eigene Prüfungsinhalte erstellen und auch jährlich variieren.
Lernen für den globalen Einsatz
„Die abstrakten Prüfungsbereiche werden erst im Unterricht wirklich interessant und lebendig,“ erklärt Fachlehrerin Annette Jäger, die an der Beruflichen Schule am Schützenpark Bau und Nahrung in Kiel Englisch unterrichtet. Sie bereitet ihre Schützlinge in der Hotel- und Gastronomiebranche auf die Englischprüfung vor und erstellt die Prüfungsaufgaben. „Die Auszubildenden erhalten regulär vier Stunden Englischunterricht pro Woche, den wir immer auf den Fachkundeunterricht abstimmen. Steht beispielsweise Weinkunde auf dem Lehrplan, vermittele ich den Auszubildenden parallel englische Fachbegriffe wie semi-dry wine oder wine from the barrel,“ erläutert Annette Jäger und ergänzt:“Rollenspiele und Partnerübungen sind besonders beliebt und mit dem Lerncomputer, mit Filmen und Hör-CDs macht den Auszubildenden selbst das mühsame Vokabelpauken mehr Spaß. Bei Übersetzungen ist mir außerdem wichtiger, dass die Auszubildenden den Sinn erfassen, statt jedes Wort exakt wiederzugeben.“

Foto: ...decken sorgfältig ein 4-Gänge-Menü ein...
Die Inhalte des KMK-Fremdsprachen-Zertifikats gehen nicht nur über das normale Schulenglisch hinaus, sondern sie orientieren sich ganz wesentlich am Berufsalltag der Auszubildenden. Jede Prüfungsstufe ist nach den verschiedenen Berufsbereichen differenziert und kann bis zum einzelnen Beruf weiter konkretisiert werden, beschreibt die Auszubildende Julia:„Im Unterricht üben wir, Gespräche an der Rezeption zu führen, Tourismusangebote zu schreiben, Bankette zu planen, mit Kundenbeschwerden umzugehen oder den Gast am Tisch zu beraten – und alles in Englisch.“ Es bereite ihr weit weniger Mühe, mit Begriffen wie sight-seeing locations, taking orders, methods of payment oder writing confirmations in flüssigem Englisch zu jonglieren, fügt sie selbstbewusst und mit einem erkennbaren Anflug von Stolz hinzu.
Die Prüfungsteilnahme ist unabhängig von der Schulnote und mit den unterschiedlichen Niveaustufen der Prüfung ist für jeden – vom Hauptschüler bis zum Abiturienten und auch für jeden Ausbildungsberuf - etwas dabei. Fällt es einem Auszubildenden aber schwer, sein Leistungsvermögen für die Anmeldung richtig einzuschätzen, stehen die Fachlehrer beratend zur Seite und geben Empfehlungen für die Niveaustufen ab.
Zum guten Schluss bietet das KMK-Fremdsprachen-Zertifikat eine weitere Besonderheit: Es dokumentiert nicht nur die erreichte Punktzahl der Prüfungsergebnisse, sondern als einziges Zertifikat enthält es auch die jeweiligen Aufgabenarten und die Zuordnung zu den jeweiligen Kompetenzbereichen. Für Arbeitgeber ist somit direkt erkennbar, über welchen Sprachfundus ein Mitarbeiter oder Bewerber verfügt. Da wundert es nicht, dass auch viele Ausbildungsbetriebe ihre Auszubildenden unterstützen und die Prüfungsgebühren übernehmen, zumal diese im Vergleich zu anderen Sprachzertifikaten nicht hoch sind. Denn was teuer ist, muss nicht besser sein.

Foto: ...und wickeln Gespräche am Telefon gekonnt ab.
Und welche persönlichen Fernziele strebt Julia mit ihrer Sprachkompetenz an? Für sie ist wie für die meisten ihrer Azubikollegen klar, dass sie später ins Ausland geht. Bei den Auszubildenden in der Gastronomiebranche sind England, die USA, Spanien und die Schweiz besonders beliebte Länder. So schwebt auch Julia London oder New York vor, aber später möchte sie unbedingt ihren Traum verwirklichen und ein Jahr lang auf einem Kreuzfahrtschiff über die Meere segeln:„Weil ich unbedingt etwas von der Welt sehen will, brauche ich zuerst Berufspraxis. Und dafür möchte ich mein Englisch immer weiter verbessern und noch eine zweite Sprache lernen.“
Vielleicht wird Julias Traum eines Tages sogar wahr und sie wird die Schiffspassagiere mit einem freundlichen „welcome on board“ in Empfang nehmen können.
Kontakt:
Berufliche Schulen am Schützenpark Bau und Nahrung
Gellertstr. 18 b
24114 Kiel
Tel: 0431 1698-200
E-Mail: postmaster@bs-bau-nahrung.de
Internet: www.bs-bau-nahrung.ki.sh.schule.de
Tipp: In der Datenbank von AusbildungPlus sind mit dem Schlagwort „KMK“ zahlreiche weitere Berufsschulen in ganz Deutschland aufgeführt, die das KMK-Fremdsprachen-Zertifikat in verschiedenen Sprachen und für verschiedene Berufsgruppen anbieten. Als Beispiel ist das Zertifikat außerdem hier kurz erwähnt.