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Hochschule Bremen
Schiffbau und Schifffahrt sind Schlüsselfaktoren für eine funktionierende Weltwirtschaft. Durch die Globalisierung der Märkte, die fortschreitende europäische Integration sowie die arbeitsteilige Produktion von Gütern gewinnt der Transport auf dem Wasserweg weiter an Bedeutung. Hinzu kommt ein wachsender Freizeitmarkt mit Fernreisen zur See, weshalb spezialisierte und hochkomplexe Schiffe vom Luxusliner bis zum Containerschiff gebraucht werden. Diese müssen schnell sein, wenig Kraftstoff verbrauchen, wenig Schadstoff ausstoßen und sicher sein.

Foto: Bau der Radiance in der Meyer Werft
Deutscher Schiffbau auf Kurs
Deutsche Werften können sich auf eine hoch entwickelte Schiffbau-Zulieferindustrie und auf leistungsfähige Forschungseinrichtungen stützen und nehmen neben Japan, Korea und China einen führenden Produktionsplatz ein. Mit dem weltweiten Nachfrageboom sehen sich die Unternehmen aber gleichzeitig einem harten internationalen Wettbewerbsdruck ausgesetzt, der zu kontinuierlichen Innovationen zwingt. Die deutsche Schifffahrtindustrie hat daher einen hohen Bedarf an kompetenten Nachwuchsingenieuren/innen, was sich an der Struktur der Werftbelegschaft zeigt. Der Ingenieuranteil hat sich in den letzten 20 Jahren mehr als verdreifacht. Aus einer aktuellen Studie des Verbandes für Schiffbau und Meerestechnik e. V. (VSM) geht hervor, dass pro Jahr ca. 150 Ingenieure/innen benötigt werden, wovon der Anteil der Fachhochschulabsolventen auf etwa 40 bis 50 Prozent geschätzt wird. Doch wird dieser Gesamtbedarf derzeit nicht ausreichend von den Studienrichtungen in Deutschland abgedeckt. Dabei ebnet die Ausbildung am "Schiff" und in der "Meerestechnik" nicht nur den beruflichen Weg in die klassischen Einsatzgebiete wie Werftindustrie, Yachtbau, Marine oder Reederei, sondern auch in andere Berufssparten wie zum Beispiel Stahlbau, Flugzeugbau oder Anlagenbau.

Foto: Nordseewerke GmbH, Emden
Schiffbauingenieure/innen – eine besondere Gruppe
„Für unser Geschäft brauchen wir Zupacker von echtem Schrot und Korn, die gleichzeitig mit einer der kompliziertesten und modernsten Industrien überhaupt Schritt halten können,“ beschreibt ein Personalleiter bei Blohm + Voss die maritime Branche. „Man muss schon ein bisschen verrückt sein, um mit den ständig neuartigen Herausforderungen arbeiten zu können. Aber wer schon einmal drei Tage vor Fertigstellung durch einen Schiffkoloss gelaufen ist, weiß auch, dass es das wert ist.“
Abwechslung ist garantiert, da meist nicht von der Stange produziert wird. Wenn die Entwurfsabteilung beispielsweise vorher festlegt, wie groß, breit und hoch ein Schiff sein muss, werden anschließend alle Stahlbauteile am Computer konstruiert. Dann berechnen die Ingenieure/innen die Festigkeit der Bauteile und legen die Dicke der Stahlplatten fest, damit das Schiff auch im beladenen Zustand starken Wellengang übersteht und nicht auseinanderbricht. Neben der Entwicklung von Schiffen und Wasserfahrzeugen testen Schiffbauingenieure/innen aber auch die Modelle in maßstabsgerechten Versuchsanlagen und überwachen die Fertigung und Montage.
Gleichzeitig ist in der Produktion der nicht-technische Anspruch weit höher als angenommen wird. Menschenkenntnis im Umgang mit Haudegen der Branche, eine hohe Belastbarkeit und Durchhaltevermögen in Krisenzeiten gehören zum Joballtag. Folglich ist heute ein neuer Ingenieurtypus gefragt. Es zählt eher die Methodik bei der Problemlösung als Spezialwissen, das schnell veraltet. Auch Fremdsprachen, Projektmanagement, Logistikkenntnisse, Kommunikationsfähigkeit und Mobilität werden zunehmend wichtiger.
Diese Kompetenzen können angehende Schiffbauingenieure/innen vor allem in einer praxisnahen Ausbildung frühzeitig erwerben.

Foto: Im Maschinenbau werden Units erstellt, was die gesamte
Fertigung der Ver- und Entsorgungssysteme vereinfacht
(Meyer Werft)
Studium Schiffbau und Meerestechnik im Praxisverbund
Die Hochschule Bremen bietet mit dem Studiengang Schiffbau und Meerestechnik im Praxisverbund den bislang einzigen ausbildungsintegrierten Studiengang im Schiffbau an. Denn wer Praxis, gewerbliche und akademische Tätigkeiten in Ausbildung und Beruf noch enger verbinden möchte, für den ist das duale Studium das Richtige. Die Studierenden absolvieren ein ingenieurwissenschaftliches Studium und durchlaufen parallel eine Facharbeiterausbildung. Vor allem in Betrieb und Konstruktion sind fundierte Kenntnisse in der handwerklich-industriellen Umsetzung wichtig. Viele Werften stellen jedoch fest, dass dieses praxisnahe Zusatzwissen nur eingeschränkt vorhanden und in einem konventionellen Studiengang aus Zeitgründen kaum zu vermitteln ist. Auch die Meyer Werft aus Papenburg hat die Zeichen der Zeit erkannt: „Wir brauchen für die Zukunft qualifiziertes Personal. Der Bau großer Kreuzfahrtschiffe erfordert sehr viel Know-How und damit auch die Qualifikation unterschiedlicher Berufsgruppen. Deshalb bildet die Meyer Werft aktuell 22 Studenten verschiedener Fachrichtungen im Praxisverbund aus, so zum Beispiel im Schiffbau, Maschinenbau und Maschinenbau-Informatik. Erfreulicherweise befinden sich unter unseren Studenten sogar zehn Frauen.“

Eine dieser Studentinnen ist Jessica Böhring, die von der Meyer Werft zur Teilnahme am dualen Studienmodell überzeugt werden konnte. Heute ist sie froh, diese Chance ergriffen zu haben und erzählt rückblickend: „Nach der Schule wollte ich zuerst eine praktische Ausbildung machen, also habe ich mich nach meinem Abitur als technische Zeichnerin bei der Meyer Werft beworben. Nachdem ich eine Zusage erhielt, hat mich der Ausbildungsleiter der Werft angesprochen, ob ich nicht die „Duale Ausbildung“ machen wolle. Erst wusste ich nicht so recht, was damit gemeint war, da ich diese Ausbildungsform nur im wirtschaftlichen Bereich in Zusammenhang mit der Berufsakademie kannte. Diese Ausbildung mit Studium „Schiffbau und Meerestechnik“ gab es zwar noch nicht auf der Werft, aber als ich mir den Ablauf und alles weitere erklären ließ, war ich sofort begeistert.“
Wie läuft das Studium ab?
Das duale Studienmodell beginnt mit einer einjährigen praktischen Ausbildung bei der Partnerwerft. Im darauf folgenden Studium lernen die angehenden Schiffkonstrukteure bis zum 4. Semester vor allem allgemeintechnische und fachspezifische Grundlagen. So stehen auf dem Lehrplan Fächer wie Mathematik, Physik, Mechanik, Schiffsmaschinenanlagen, Schiffsentwurf, Festigkeitslehre, Schiffsstrukturanalyse, Hydromechanik, Schiffstheorie, Werkstoffkunde, Schweißtechnik, Schiffskonstruktion sowie Englisch. Im 6. und 7. Semester kommen weitere Wahlpflichtveranstaltungen wie zum Beispiel Yachtbau und Meerestechnik hinzu.
Alle Vorlesungen finden als Module mit einem identischen zeitlichen Umfang von vier Semesterwochenstunden statt, wobei die Studierenden pro Semester fünf Module bewältigen müssen und am Semesterende in jedem einzeln geprüft werden.

Foto: Maritime Schifftechnologie
Die Praxiseinsätze werden dafür in den vorlesungsfreien Zeiten und im 5. Semester als „Praktisches Studiensemester“ in der Partnerwerft fortgesetzt, wobei die Studierenden dieses Praxissemester auch im Ausland verbringen können. Außerdem entfällt der Berufsschulunterricht, da die Teilnehmer die Facharbeiterprüfung vor der Industrie- und Handelskammer als externe Prüfung ablegen.
Mit der Bachelor-Thesis im 7. Semester, die thematisch mit der Partnerwerft abgestimmt ist, erwerben die Ingenieure schließlich den neuen akademischen Grad Bachelor of Engineering, der den vorherigen Diplomabschluss ablöst.
Die Pluspunkte...
Jessica Böhring fasst die Vorteile des Studiums aus ihrer Sicht zusammen und meint: „Trotz der kurzen Studiendauer absolvieren wir kein inhaltlich reduziertes Studium. Es ist alles nur komprimierter. Ich denke, dass man nach einem erfolgreichen Abschluss gezeigt hat, dass man flexibel und belastbar ist, denn wenn „normale“ Studenten Semesterferien haben, sind wir „Dualen“ auf der Werft und müssen nebenbei noch unsere Hausarbeiten erledigen. Ein Vorteil für die Werften ist, dass sie sich schon während der ganzen Zeit ein sehr genaues Bild von den zukünftigen Ingenieuren machen können. Andererseits fällt den Studenten die Entscheidung für eine Fachrichtung viel leichter, weil sie ihre Stärken und Neigungen durch den Einsatz im Fachbereich besser erkennen. Ich denke, dass diese Ausbildung meine Chancen am Arbeitsmarkt verbessert, denn in der heutigen Zeit muss man versuchen, sich von den anderen Bewerbern abzuheben.“
Dass die Absolventen/innen von den Unternehmen gerne übernommen werden, bestätigt die Nordseewerke GmbH aus Emden: „Wir können sie im Ausbildungsbetrieb ohne große Einarbeitungszeit direkt als qualifizierte Ingenieure einsetzen. Außerdem würde das Studium ohne integrierte Facharbeiterausbildung mindestens eineinhalb Jahre länger dauern.“

Leinen los – was ist zu tun?
Bis zum Studium sind einige Schritte zu beachten. Interessierte Schulabgänger/innen suchen sich zunächst eine Partnerwerft, schließen mit dieser einen Studienvertrag ab und beginnen mit der Lehre. Danach bewerben sich die Auszubildenden an der Hochschule um einen Studienplatz und nehmen nach der Zulassung das Studium zum folgenden Wintersemester auf. Bewerbungsschluss an der Hochschule ist in der Regel der 15. Juli. Als Schulabschlüsse sind entweder das Abitur oder die Fachhochschulreife erforderlich, doch kann stattdessen auch eine Einstufungsprüfung abgelegt werden. Außerdem muss bei der Immatrikulation der Studienvertrag und der Nachweis über die einjährige Praxiszeit vorliegen. Wenn diese Formalitäten erledigt sind, steht den Jungakademikern nichts mehr im Wege und sie können zum Schiffbauingenieur/in durchstarten.
Wer sich jetzt vorstellen kann, in der Schifffahrtindustrie Fuß zu fassen, kann sich für weitere Fragen zu den Inhalten und zum Bewerbungsverfahren gerne an die Hochschule Bremen wenden.
Fragen zu den Studieninhalten:
Prof. Dr. Hans Gudenschwager
FB 7 (Schiffbau, Meerestechnik und Angewandte Naturwissenschaften)
Neustadtswall 30
28199 Bremen
Tel.: (04 21) 59 05-27 01
Fax: (04 21) 59 05-27 10
Mail: gudens@fbsm.hs-bremen.de
Internet: www.hs-bremen.deFragen zur Bewerbung und Zulassung:
Björn Anders
Immatrikulations- und Prüfungsamt
Neustadtswall 30
28199 Bremen
Tel.: (04 21) 59 05-22 75
Fax: (04 21) 59 05-23 51
Mail: banders@verw.hs-bremen.deDetaillierte Informationen zum Studiengang sowie die Ansprechpartner der beteiligten Unternehmen gibt es auch in der Datenbank von AusbildungPlus unter dem Stichwort „Schiffbau“.