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Berufsakademie Karlsruhe und Papierzentrum Gernsbach
Für Fanny Balke zeichnet sich bereits eine anspruchsvolle Karriere in ihrem Unternehmen ab. Die 22-Jährige studiert Papiertechnik und absolviert parallel dazu ihre betriebliche Ausbildung bei Voith Fiber Systems in Ravensburg. Fest steht, dass sie nach ihrem Studium als Papieringenieurin in der Abteilung Stoffaufbereitung eingesetzt wird, wo sie die energie- und kostenintensiven Papiermaschinen in Betrieb nimmt und für den optimalen Produktionsablauf verantwortlich ist. Mit ihrer Berufsentscheidung zur Papieringenieurin hat Fanny Balke auf eine hoch technologisierte Wachstumsbranche gesetzt, die hervorragend ausgebildete Mitarbeiter benötigt. „Auf den Studiengang hat mich mein Vater, der in der Papierindustrie tätig ist, aufmerksam gemacht. Da ich schon eine feste Stelle in Aussicht habe, bin ich überzeugt, dass meine berufliche Laufbahn auch weiterhin erfolgreich verläuft, „ meint Fanny zuversichtlich und weiß auch, was sie ihrem Ausbildungsbetrieb zu verdanken hat:“Im Studium durfte ich bereits nach Brasilien, was meinen Ehrgeiz zusätzlich angestachelt hat. Mein Wissen möchte ich daher weiter vertiefen und für meine Firma einbringen.“

Ein historisches Kulturgut im 21. Jahrhundert – Die Papierbranche in Deutschland
Die deutsche Papierindustrie ist mit Abstand die Nr. 1 in Europa und im weltweiten Vergleich liegt sie immerhin an fünfter Stelle. Allein in Deutschland sind rund 46.000 Mitarbeiter an 200 Produktionsstandorten beschäftigt, um die steigenden Konsumentenbedürfnisse zu befriedigen. Pro Kopf und Jahr nutzen wir über 300 kg Papier und Karton für den täglichen Gebrauch und die Papiervielfalt wächst trotz digitalen Zeitalters. Mittlerweile sind an die 5000 Papiersorten Bestandteil einiger hunderttausend Papiererzeugnisse, von Büchern über Zeitungen bis zu Hygieneartikeln und Verpackungsmaterial.

Als außerordentlich rohstoffintensiver Wirtschaftszweig ist die Papierindustrie ein Paradebeispiel für Globalisierung. Wer in Deutschland Papier herstellt, hat Verbindungen zur Forstwirtschaft in Nordeuropa oder in Kanada, zur Zellstofferzeugung in Indonesien oder Brasilien und zu den Papiermärkten in Ostasien. In der Papierindustrie locken nicht nur gute Einstiegsgehälter, sondern auch außergewöhnlich gute Aufstiegschancen, denn die Papierindustrie in Deutschland, die zu zwei Dritteln in skandinavischen Händen ist, reizt durch flache Hierarchien. Nicht zuletzt hat der deutsche Ingenieurnachwuchs auch jenseits der Grenzen gute Einstiegschancen, wenn die entsprechenden Sprachkenntnisse vorhanden sind.

Foto: Papiermaschine im Einsatz (Quelle: VDP)
Vielseitiges Aufgabenfeld und gute Berufsaussichten – Beschäftigte in der Papierindustrie
Die meisten der vielseitig ausgebildeten Papieringenieure sind in der Produktion eingesetzt. In den Werkshallen müssen sie die frischen Papierprodukte laufend kontrollieren und am Schreibtisch aufwändige Stoffwertbilanzen und Wertetabellen analysieren. Als „Troubleshooter“ gehen sie bei der kleinsten Störung, die auf den Kontrollschirmen der mächtigen Maschinenanlagen angezeigt werden, sofort auf Fehlersuche. Die hochautomatisierten Anlagen stehen auch nachts nicht still, weshalb der Schichtbetrieb hier zum Arbeitsalltag gehört. Als Führungskräfte müssen Papieringenieure auch gut leiten und koordinieren können, denn bei vielen Problemen lassen sich vernünftige Entscheidungen nur im Team treffen.
Mit ihrer breiten, praxisbezogenen Ausbildung sind Papieringenieure aber auch in der Forschung und Entwicklung, im Umweltschutz, bei nationalen und internationalen Behörden und Beratungsfirmen sowie in der Chemie- oder Maschinenbauindustrie tätig. Hier planen sie industrielle Umbauten und Neuanlagen, erproben neue Verfahren und Maschinen zur Steigerung von Produktqualität und Produktivität und entwickeln in der Zulieferindustrie neue chemische Hilfsmittel.
Der 23-jährige Sebastian Stockfisch, der für sein Studium in Baden-Württemberg sogar den weiten Weg von seinem Ausbildungsbetrieb Georg Leinfelder GmbH in Brandenburg in Kauf nimmt, schloss seinen Ausbildungsvertrag nach einem Schnupperpraktikum ab. Sebastian hat bereits klare Zukunftspläne. Nach seinem Studienabschluss möchte er bei der Leinfelder GmbH als „Verbindungsmann“ zwischen Produktion und Vertrieb tätig sein. Ihn reizen vor allem die Schnittstellen mit der Verwaltung und den Mitarbeitern und fügt hinzu: „Die Vielseitigkeit des Berufes drückt sich auch dadurch aus, dass technische Anforderungen immer mit organisatorischen und kaufmännischen Aufgaben verknüpft sind. Außerdem betrachte ich Personalführungsaufgaben als besonders große Herausforderung.“

Foto: Riesige Produktrollen werden auf Qualität geprüft (Quelle: VDP)
Der perfekte Einstieg - Erster dualer Studiengang Papiertechnik an der BA Karlsruhe
Als einzigartiges Angebot bietet die Berufsakademie Karlsruhe (Baden-Württemberg) seit Oktober 2002 den Studiengang Papiertechnik in dualer Form an. Studiengänge im Bereich Papiertechnik gab es bisher nur an drei Hochschulen in Deutschland - an der TU Darmstadt, der TU Dresden und der FH München. Diese allein konnten jedoch den Bedarf der deutschen Papierindustrie nicht decken.
Die Akademie entspricht den Qualitätsanforderungen traditioneller Hochschulen, weshalb es die Nachwuchskräfte mit BA-Abschluss genauso weit bringen können wie ihre Konkurrenten aus den Hochschulen. Die beteiligten Ausbildungsbetriebe legen größten Wert darauf, dass sich die Anforderungen im wissenschaftlichen Studium auf hohem Niveau bewegen und die Verbindung mit der betrieblichen Praxis besonders effizient ist. Rein formal ist der Abschluss an einer Berufsakademie in Baden-Württemberg sogar dem Abschluss an einer Fachhochschule gleichgestellt.
Nach nur drei Jahren hat der Student seinen Abschluss in der Tasche. Die Anforderungen sind bei diesem straffen Pensum natürlich hoch. So gibt es beispielsweise keine Semesterferien, sondern lediglich den tariflich festgelegten Urlaub wie für andere Arbeitnehmer. Dafür bietet das Modell zwei wesentliche Anreize: Die Studenten verdienen während der gesamten Ausbildungszeit Geld und können zusätzlich den Bachelor-Abschluss erwerben. Und wer nach seinem Ingenieurabschluss noch weiter hinaus will, kann im Anschluss den international anerkannten Master of Business Administration oder Master of Science absolvieren.

Foto: Studierende im Praktikum
Keine Theorie ohne Praxis – Inhalt und Ablauf des dualen Studiums
Der Studiengang Papiertechnik an der Berufsakademie Karlsruhe ist in enger Kooperation mit dem Papierzentrum Gernsbach und dem Institut für Papierfabrikation und Mechanische Verfahrenstechnik an der TU Darmstadt entstanden. Die hervorragenden Studienbedingungen mit Unterkunft und Verpflegung im Papierzentrum Gernsbach bringt Sebastian Stockfisch begeistert auf einen Punkt: „Besser kann es ein Student nicht haben!“
Die Qualifizierung zum Papieringenieur ist äußerst facettenreich. Das Studium basiert auf dem Maschinenbau, der Verfahrenstechnik und der Material-, Maschinen- und Anlagentechnik. Ergänzt wird der Studienplan durch Betriebswirtschaftslehre, Projektmanagement und Fächer wie Organisationstechnik, Umweltschutz und Personalmanagement, welches den ganzheitlichen Anspruch widerspiegelt. Außerdem lernen die angehenden Papieringenieure in allen Semestern Englisch, um sich auf die internationale Kommunikation in ihrem Arbeitsleben vorzubereiten.
Die betriebliche Ausbildung beginnt mit grundlegenden Fertigkeiten. In verschiedenen Werkstätten feilen, drehen und schweißen die Nachwuchskräfte Metalle oder studieren den Aufbau von Schaltungen und Motoren. Im Einkauf und in der Eingangskontrolle, bei Labortätigkeiten oder durch die Mitarbeit in der Produktion lernen sie die Stoffaufbereitung kennen. In der Papier-, Karton- und Pappenerzeugung sind sie an den Papiermaschinen und Anlagen der Papiererzeugung eingesetzt und reinigen, mischen, entwässern, filtrieren, pressen und trocknen die Produktbestandteile.
Im 2. Studienjahr arbeiten sie schon an betrieblichen Projekten mit und trainieren gleichzeitig das Dokumentieren und Präsentieren technischer Ergebnisse. Papieringenieure müssen aber auch den Gesamtprozess vom Einkauf über die Produktion bis hin zur Abfallverwertung im Blick haben. Dafür befassen sie sich mit betrieblichen Dokumenten zur Qualitätskontrolle sowie den einzelnen Umweltbestimmungen und führen darüber hinaus eigenständig Prozessanalysen zur Steuerung und Kontrolle durch. Eine schriftliche Projektarbeit, die einen Zeitraum von sechs bis acht Wochen umfasst, rundet diesen Einsatz schließlich ab.

Foto: Studierende werden intensiv betreut
Im 3. und letzten Jahr können die Studierenden Ingenieuraufgaben aus ausgewählten Bereichen selbstständig erledigen und beschäftigen sich jetzt schwerpunktmäßig mit der Veredelung und Weiterverarbeitung der Produkte. Mit ihren neuen Aufgaben übernehmen sie gleichzeitig mehr Mitarbeiterverantwortung, denn für die zukünftigen Entscheidungsträger und Koordinatoren eines heterogenen Teams sind grundlegende Führungsqualifikationen entscheidende Faktoren im Personalgefüge.
Am Ende des straffen Ausbildungsprogramms steht die Diplomarbeit, bei der die Diplomanden eine Aufgabe aus der Papierindustrie eigenverantwortlich und ingenieurwissenschaftlich bearbeiten.
„Das wissenschaftliche Studium steht vor allem in den papierspezifischen Fächern auf einem sehr hohen Niveau, „ erläutert Sebastian Stockfisch. „Unsere Dozenten vom Lehrstuhl der TU Darmstadt vermitteln ihr Wissen in der gleichen Art und Weise wie bei den Studenten dort. Im betrieblichen Studium habe ich außerdem gelernt, die differenzierten Probleme der Papierherstellung zu verstehen und Optimierungspotenziale zu erkennen.“ Auch seine Ausbildungszeit im Betrieb fasst Sebastian positiv zusammen:“ Als BA-Student wurde ich im Betrieb voll ernst genommen und nach kurzer Durchlaufzeit in alle betrieblichen Aufgaben der Abteilungen eingegliedert." Mit Blick auf seine weitere berufliche Zukunft fügt er realistisch hinzu:"Für meine persönliche Karriere gilt, dass ich mich zunächst als Ingenieur im Betrieb bewähren muss. Durch mein junges Alter habe ich aber bestimmt einen deutlichen Vorsprung vor älteren Absolventen von Fachhochschulen und Universitäten.“

Foto: Papieringenieurin (Quelle: VDP)
Bewerbungsschritte
Wer die allgemeine oder fachgebundene Hochschulreife besitzt, bewirbt sich ein Jahr vor Ausbildungsbeginn direkt bei einem Ausbildungsbetrieb der Papier- und Zellstoffindustrie. Von dort wird der angehende Student bei der Studienakademie Karlsruhe angemeldet. Wer möchte, kann auch ein Vorpraktikum im Betrieb durchlaufen. Einige Firmen berücksichtigen bei der Auswahl auch regionale Gesichtspunkte und bevorzugen Bewerber aus ihrem Einzugsgebiet. Das heißt aber nicht, dass die Ausbildungsfirmen unbedingt in Baden-Württemberg liegen müssen. Bewerbungen um einen Ausbildungsplatz können auch an Firmen gerichtet werden, die noch nicht an der Berufsakademie Karlsruhe zugelassen sind. Die Berufsakademie stellt dann auf Antrag die Eignung des Unternehmens fest.
Kontakt:
Berufsakademie Karlsruhe
Prof. Dr. Wolfgang Kraut
Erzbergerstr. 121
76133 Karlsruhe
Tel.: (07 21) 97 35-8 07
E-Mail: kraut@ba-karlsruhe.de
Internet: www.ba-karlsruhe.dePapierzentrum Gernsbach
Dr. Volker Höntsch
Scheffelstr. 29
76593 Gernsbach
Tel.: (0 72 24) 64 01-1 17
E-Mail: v.hoentsch@papierzentrum.org
Internet: www.papierzentrum.org