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Ausbildungsangebot des Monats - Mai 2005

Dualer Studiengang Biotechnologie

Anbieter:
Berufsakademie Riesa in Sachsen

 
 
 
 

Ob es die Bereiche Medizin, Chemie, Physik, Informationstechnologie oder Materialwissenschaften sind, überall finden sich biotechnologische Verfahren wieder. Längst sind umweltfreundliche Verfahren zur Herstellung von Waschmittelenzymen, Vitaminen, Lebensmittelzusatzstoffen oder Antibiotika alltäglich geworden.

Die Biotechnologie ist eine junge, zukunftsträchtige Branche und zählt aufgrund ihrer bahnbrechenden Fortschritte zu den Schlüsseltechnologien des 21. Jahrhunderts. Als Innovationstreiber nimmt die Biotechnologie daher einen zentralen Stellenwert in der Forschungspolitik ein.

So hat auch die Entscheidung Sachsens, die Biotechnologie zu einem Forschungsschwerpunkt zu machen, maßgeblich zur Einrichtung des Studienganges Biotechnik an der Studienakademie Riesa beigetragen.

Foto: Studentin in ihrer Ausbildungsfirma


Das Studium an der Berufsakademie ist eine attraktive Alternative zu Fachhochschulen und Universitäten. Das Studium dauert nur drei Jahre und ist damit kürzer als jedes andere Studium. Dabei ist der Abschluss zum staatlich geprüften Diplom-Ingenieur/in dem Abschluss einer Fachhochschule gleichgesetzt und EU-weit anerkannt. Die Hälfte des Studiums findet als praktischer Teil in den Ausbildungsunternehmen statt. So kann eine gezielte Ausbildung für die Unternehmen stattfinden und Studenten können sehr früh ins Berufsleben starten.


Die wissenschaftsbezogene Studienphase

Die Biotechnik steht für die Umsetzung von Erkenntnissen aus der Biologie und der Biochemie in technische Verfahren. Ziel ist die Stoffwandlung oder Produktsynthese. Als “Querschnittstechnologie” setzt sich die Biotechnologie aus verschiedenen Fachgebieten wie Mikrobiologie, Biochemie, Molekularbiologie, Gentechnik, technische Chemie und Verfahrenstechnik zusammen. Die Biotechnik behandelt immer Reaktionen, die im Prinzip biologischer Natur sind. Produzenten sind dabei Mikroorganismen sowie pflanzliche oder tierische Zellen und deren Enzyme.

Die Studieninhalte setzen sich aus den Naturwissenschaften wie Mathematik, Physik, Biophysik, Biologie, Mikrobiologie und Chemie zusammen und werden mit den allgemeinen Ingenieurwissenschaften kombiniert. Diese sind beispielsweise Apparatebau, Elektrotechnik, Elektronik, Mess-, Steuerungs- und Regelungstechnik sowie Grundlagen der Verfahrenstechnik. Die Vertiefungsfächer beinhalten u. a. Gentechnik, Enzymtechnologie, Proteintechnik, Zellkulturtechnik, Bioreaktoren, Bioreaktions- und Prozesstechnik, biotechnische Aufbereitungsverfahren und Membranverfahren. Zur Vorbereitung auf das breite berufliche Aufgabenspektrum wird das Fächerangebot mit Informations- und Kommunikationstechniken wie EDV, CAD, Fachenglisch und Präsentationstechniken sowie allgemeine Betriebswirtschafts- und Rechtslehre abgerundet.

Foto: Individuelle Betreuung ist ein charakteristisches Merkmal der Ausbildung


Die praxisintegrierte Studienphase

Während des Grundstudiums im 1. und 2. Studienjahr werden die verschiedensten Fertigkeiten praktisch angewandt und geübt. Die praxisintegrierte Studienphase umfasst dabei mikrobiologische Arbeits- und Sicherheitstechniken, Analysen zur Produkt-, Verfahrens-, Emissions- und Immissionskontrolle oder die Planung, Optimierung und Wartung von Anlagen sowie der Mess-, Prüf- und Analysentechnik. Das Spektrum deckt außerdem firmenspezifische Tätigkeiten wie Klonierungs-, Zellkulturtechniken, Bioreaktions- und Fermentationstechniken sowie molekular- und mikrobiologisches Arbeiten ab. Darüber hinaus lernen die angehenden Biotechniker, Analysen nach legislativen Vorgaben auszuwerten oder technische Applikationen auf die konkrete betriebliche Situationen anzupassen. Auch das Erstellen von Teilgutachten und die managementorientierte Auftrags- und Projektplanung zählen zu den späteren Aufgaben eines Biotechnikers und werden hier erlernt.

Foto: Arbeiten an einer Sicherheitswerkbank


Im 3. Jahr des Vertiefungsstudiums wird das selbständige Bearbeiten von komplexen Aufgabenstellungen oder Teilprojekten mit Themen aus dem Bereich der biotechnologischen Arbeits-, Mess-, Analysen- oder Verfahrenstechnik intensiviert. Die Studierenden präsentieren abschließend ihre Ergebnisse in schriftlicher oder mündlicher Form.

Abgerundet wird die Praxisphase durch einen freiwilligen Auslandsaufenthalt, welches zum Beispiel in der englischen Partnerstadt Rotherham möglich ist.

Foto: Arbeiten im Labor

Foto: Labor für Chromatographie

Zur Erforschung der Struktur und Funktion von komplexen Organisationen von Makromolekülen ist deren Zerlegung in Einzelbausteine und –prozesse erforderlich. Die Chromatographie dient im Anschluss zur Trennung und zum Nachweis der Monomere.

Foto: Spektroskopie – Labor

Hier werden mittels Spektroskopie u. a. Versuche zu Strukturen biologischer Makromoleküle und Membranen realisiert.

Foto: Verfahrenstechniklabor

In diesem Labor finden Übungen zu Steuerungs- und Regelungstechnik, Verfahrenstechnik, Energietechnik, Bioverfahrenstechnik, Organische Chemie und Strömungslehre (siehe Abb.) statt.

Foto: Forschungsarbeiten im Labor


Ausbildungsfirmen

Für die Ausbildung eignen sich als Praxispartner u. a. produzierende Unternehmen aus den Sparten Chemie, Pharmazie und Lebensmittel, Dienstleistungsunternehmen und Labore, Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen, technische Überwachungsvereine und Behörden. Kleinere Firmen können die Ausbildung auch im Verbund realisieren.


Berufsbild und Einsatzmöglichkeiten

Die Tätigkeitsfelder in der Biotechnologie sind vielseitig. Sie liegen je nach späterem Einsatz entweder mehr auf dem Gebiet der Laboratoriumstechnik oder der Bioverfahrenstechnik. Absolventen können in Forschung und Entwicklung der Industrie oder für öffentliche Forschungseinrichtungen arbeiten. Ebenso bieten sich Tätigkeiten in der biotechnischen Produktion, im Product Management, als Produktingenieur oder Produktmanager in der Apparate- und Anlagentechnik oder in der Umwelttechnik. Biotechnologen sind als Angestellte, als freie Mitarbeiter, als Selbständige oder Beamte tätig.


Nachgefragt: Studentinnen und Studenten der Biotechnik

Dagmar Auerbach, 3. Semester, Sartorius AG:

„Durch die ständigen Neuerungen in der Biotechnologie wollte ich eine Studium mit hohem Praxisbezug beginnen. Auf der Internetseite der Arbeitsagentur, wo alle Studiengänge aufgelistet sind, bin ich auf diesen Studiengang an der BA Riesa gestoßen. Mein Interesse für Naturwissenschaften war schon immer groß. Diese Studienrichtung vereint die Naturwissenschaften Chemie, Physik, Technik, Mathematik und die Biologie. Die Kombination ist sehr interessant und lässt ein großes Anwendungsgebiet zu. Der Studiengang Biotechnologie an der BA Riesa ist für Menschen wie mich ideal, welche die Theorie oft erst richtig verstehen, wenn sie praktisch einmal ausprobiert wurde. Außerdem ist die Vielseitigkeit enorm, denn man lernt, die Biochemie mit der Technik zu verbinden. Wir studieren hier in kleinen Gruppen, was an einer Universität nicht immer möglich wäre. Die Biotechnologie ist ein zukunftsträchtiger Industriezweig. Viele neue Forschungsprojekte sind im Bereich der Biotechnologie entstanden, die Pharmaindustrie ist an neuen, verbesserten und leistungsfähigeren Produkten zur Herstellung der Medikamente interessiert. Deshalb denke ich, dass die Zukunftsperspektiven für Biotechnologen sehr gut sind.“

Diana Kaule, 3. Semester, Euroderm GmbH

„Ich wurde durch das Internet auf diesen Studiengang aufmerksam. Vorher habe ich eine Ausbildung als Biologielaborantin gemacht und wollte mit diesem Studium meine erlernten Kenntnisse und Fähigkeiten erweitern. Ich hoffe, dass ich nach dem Abschluss des Studiums in meiner jetzigen Praxisfirma übernommen werde und dort in der Forschung und Entwicklung arbeiten kann.“

Christiane Look, 5. Semester, Seramun Diagnostics GmbH

„Ich wollte studieren, aber auch so schnell wie möglich unabhängig sein. Deshalb habe ich mich für ein Studium an der BA entschieden. Dieses Studium ist nach drei Jahren abgeschlossen und ich kann dann mein eigenes Geld verdienen. Und für eine schnellere Unabhängigkeit kann man gut auf Semesterferien verzichten. Diesen Studiengang hat mir das Arbeitsamt vorgeschlagen, da ich mich sehr für Biologie interessiere und es mein Leistungskurs war. Danach habe ich weitere Recherchen im Internet durchgeführt. Am Studiengang gefällt mir der Wechsel zwischen Theorie und Praxis, denn wenn man die Verbindung mit der Praxis nicht hätte, wäre die Theorie doppelt so langweilig.
Bei der Einstellung wurde mir gesagt, dass ich übernommen werde und ich hoffe, daran hat sich nichts geändert. Ansonsten hört man, dass BA- Studenten mit „Kusshand“ genommen werden. Andere sagen, dass BA-Studenten nicht gern genommen werden, weil sie ein zu oberflächliches Wissen haben. Ich kann also nicht wirklich einschätzen, wie begehrt man auf dem Markt ist.“

Matthias Münzner, 5. Semester, KeyNeurotek GmbH

„Ich habe mich über ein BA-Studium informiert und da bin ich auf den Studiengang Biotechnologie gestoßen. Ich habe mich schon in der Schule sehr für Biologie interessiert und somit wurde da schon mein Interesse an der Biologie geweckt. An der BA gefällt mir sehr gut, dass man in kleinen Gruppen lernt, so dass keine Anonymität zwischen Dozenten und Studierenden herrscht. Ebenso gefällt mir das gut durchgeplante Studium mit Semesterplan, wenig Ausfällen und die praktische Ausbildung. Ich werde vielleicht nach diesem Studium noch ein zweites Studium in Richtung Biologie aufnehmen, vielleicht Neurologische Biologie.“

Karen Rosenberger, 5. Semester, Albert-Ludwig-Universität Freiburg - Institut für pharmazeutische Wissenschaften – Lehrstuhl für pharmazeutische Biologie und Biotechnologie:

„Ich wurde durch einen Vortrag eines BA Studenten über seine Ausbildung bei FBM auf das BA-Studium aufmerksam. Vorher hatte ich nichts davon gehört. Im Internet habe ich mich auf der Homepage der Berufsakademien über die Standorte und die in Richtung Biologie angebotenen Studiengänge informiert. Während der Schulzeit entdeckte ich mein Interesse für Biologie. Nach dem Abitur wusste ich aber nicht konkret, in welche Richtung mein Interesse gehen sollte. Studieren wollte ich nicht unbedingt, da ich ein praktischer Mensch bin und so schnell wie möglich arbeiten gehen wollte. Ein Studium an der Universität stellte ich mir zu theoretisch und langweilig vor. Ich finde an diesem Studiengang die Praktika, welche als Ergänzung zum Unterricht gedacht sind, eine gute Idee. Ebenso gefallen mir die Praxisphasen. Die Zukunftschancen für Biotechniker auf dem Arbeitsmarkt kann ich nicht richtig einschätzen. Ich möchte eher in die Forschung gehen und dabei den Schwerpunkt auf die Biologie setzen. Den technischen Teil der Ausbildung sehe ich als wichtige Basis. Ich möchte gerne in die USA zurück, aber ich weiß nicht, inwieweit mein BA-Abschluss dort anerkannt wird.“

Holger Rothe, 3. Semester, Institut für Bioprozess- und Analysenmesstechnik Heiligenstadt e.V.:

„Ich bin auf diese Studienform durch Bekannte, welche bereits ein BA-Studium absolviert haben, gestoßen und habe mir dann im BIZ nähere Informationen eingeholt. Für diese Studienrichtung habe ich mich entschieden, da man die Möglichkeit hat, in relativ kurzer Zeit einen Abschluss zu erhalten. Aufgrund des dualen Studiums habe ich die Hoffnung, von meinem Praxispartner übernommen zu werden. Aber genauso kann ich mir vorstellen, dass man durch die bereits vorhandene praktische Erfahrung für eventuelle Stellenangebote gute Chancen hat. Und in den Praxisphasen kann man bereits mit späteren potenziellen Arbeitgebern in Kontakt treten.“


Zulassungsvoraussetzungen

Zum Studium an der Berufsakademie Sachsen kann nur zugelassen werden, wer die allgemeine oder fachgebundene Hochschulreife (Abitur) besitzt und einen Ausbildungsvertrag mit einer Ausbildungsfirma abgeschlossen hat. , vorrangig in Englisch oder Französisch, verfügen.


Zugangs- und Bewerbungsverfahren

Die Berufsakademie Riesa bietet individuelle Studienberatungen an und veranstaltet regelmäßig Besuchertage. Interessenten sollten sich möglichst ein Jahr vor Studienbeginn anmelden und sich selbständig oder mit Unterstützung der Berufsakademie einen Ausbildungsplatz suchen. Dabei muss es sich nicht immer um einen zugelassenen Praxispartner handeln. Andere Firmen können, wenn sie ausbilden wollen, bei der Berufsakademie einen Antrag auf Anerkennung als Praxispartner stellen. Nach Abschluss eines Ausbildungsvertrages zwischen dem Studienbewerber und der Ausbildungsfirma erfolgt die Zulassung zum Studium durch die Berufsakademie Riesa.

 

Kontakt:

Staatliche Studienakademie Riesa
Studienrichtung Labor- und Verfahrenstechnik  -  Studiengang Biotechnologie
Rittergutsstraße 6, Postfach 10 00 40, 01571 Riesa
Studienrichtungsleiter: Herr Prof. Dr. Sussek
Tel.: (0 35 25) 7 07-5 70
E-Mail: sussek@ba-riesa.de
Sekretariat: Frau Simon
Tel.: (0 35 25) 7 07-5 71
E-Mail: si@ba-riesa.de
Internet: www.ba-riesa.de