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FRITZ-ERLER-SCHULE, Pforzheim
An die Qualifikation von Kaufleuten in der Immobilienbranche werden immer höhere Ansprüche gestellt. Sie sind nicht mehr nur Verwalter von Wohnungen, sondern müssen beispielsweise Berater bei der Baufinanzierung sein. Hier sind zusätzliche Kompetenzen aus der Bank- und Versicherungsbranche unerlässlich. Weiterhin muss der Berater in Immobilienfragen auch steuerliche Gestaltungsmöglichkeiten kennen und berücksichtigen, um für Bauherren oder Immobilienkäufer die richtige Entscheidung vorzubereiten. Aus diesem Grunde bietet die Fritz-Erler-Schule für Abiturienten mit einem Ausbildungsvertrag zum Kaufmann/frau in der Grundstücks- und Wohnungswirtschaft seit Herbst 1996 ein duales Berufskolleg in Teilzeitform an. Besonders leistungsfähige Auszubildende erhalten dadurch neben einer Ausbildung in einem anerkannten kaufmännischen Ausbildungsberuf ein vertieftes berufsbezogenes Bildungsangebot, das durch den zusätzlichen Abschluss "Immobilienassistent/in" von der Schule und der IHK Nordschwarzwald dokumentiert wird.
Die Auszubildenden erwerben in der Zusatzqualifikation zusätzliche immobilienspezifische Kenntnisse in den Fächern Allfinanz (Bank- und Versicherungslehre), Marketing mit Verkaufstraining (angewandtes Immoblienmarketing), Steuerrecht und Wirtschaftsenglisch.
Voraussetzung für die Teilnahme an der Zusatzqualifikation ist ein Ausbildungsvertrag mit einem Ausbildungsunternehmen der Wohnungswirtschaft zum/zur “Kaufmann/frau in der Grundstücks- und Wohnungswirtschaft” ab, welcher den Zusatz “Nimmt am Unterricht zum/zur Immobilienassistent/in teil” enthält.
Die zusätzlich vermittelten Fächer/Inhalte im Einzelnen:
Fach: Allfinanzangebote/Bankbetriebslehre
* Grundlagen, Aufgaben und Leistungen der Kreditinstitute
* Instrumente, Mittel und Formen des Zahlungsverkehrs
* Das Kreditgeschäft als wesentliche Aufgabe der Kreditinstitute
* Die Wertpapiere und Effekten als Mittel der Kapitalbeschaffung
* Der zunehmende Beratungsbedarf bei der Geld- und Vermögensanlage

Foto: Klassenzimmer Immobilienassistenten
Fach: Allfinanzangebote/Versicherungslehre
* Grundlagen der Sozial- und Individualversicherung
* Grundlagen des Versicherungsvertrages
* Arten, Zielsetzung und Gestaltungsmöglichkeiten der Lebensversicherung
* Die Kraftfahrtversicherung
* Die verbundene Wohngebäudeversicherung
* Die versicherten Sachen und Entschädigungsleistungen bei der Hausratversicherung
* Die Funktionen und versicherbaren Risiken der Privathaftpflichtversicherung

Foto: Klassenzimmer Immobilienassistenten
Fach: Angewandtes Immobilienmarketing
Bedeutung des Marketing-Mix für die Wohnungswirtschaft
* Durchführung von Werbemaßnahmen
* Verkaufspsychologische Grundlagen anwenden
* Individuelle Beratung von Kaufinteressenten durchführen
* Grundregeln der Rhetorik, des Gesprächsaufbaus und der -inhalte kennen
* Zusätzliche Dienstleistungsbereiche für Immobilienunternehmen aufzeigen
* Strategien für die Behandlung von Reklamationen darlegen
* Bedeutung und Besonderheiten beim Telefon-Marketing erkennen
Zusätzliche Prüfungen:Die Teilnahme an der Zusatzqualifikation mündet in einer schriftlichen Prüfung in den o. g. Fächern und einem Kolloquium, in welchem die Teilnehmer in einem verkaufs- bzw. beratungsorientierten Gespräch ihre zusätzlichen Kenntnisse unter Beweis stellen.
Organisation und Form des Unterrichts/zeitlicher Ablauf:Für berufsschulpflichtige Auszubildende in diesem Ausbildungsberuf wurden in Baden-Württemberg an der Fritz-Erler-Schule Landesfachklassen eingerichtet. Die Landesfachklassen durchlaufen als Kurzzeitklassen in zwei Jahren die Grundstufe und die Fachstufen I und II. Der Unterricht findet grundsätzlich in Blockform statt. Die Auszubildenden erhalten pro Schuljahr vier Unterrichtsblöcke mit durchschnittlich je vier Wochen Unterricht. Nachdem es sich bei diesem Ausbildungsgang um einen dualen Ausbildungsberuf handelt, muss auch das ausbildende Unternehmen die zusätzlich erforderlichen Ausbildungsinhalte vermitteln.
Unterbringung in Pforzheim Auszubildende, denen während des Blockunterrichts die tägliche Rückkehr zum Wohnort aus Entfernungsgründen nicht zumutbar ist, haben die Möglichkeit, sich in den von der Schule empfohlenen und vermittelten Wohnheimen einzuquartieren. Derzeit können die Blockschüler zwischen drei verschiedenen Wohnheimen wählen.

Foto: Haap-Heim Pforzheim

Foto: Bernhardus-Heim Pforzheim
Beispiel einer Unterrichtssequenz
Permanente Veränderungen der wirtschaftlichen und rechtlichen Wirklichkeit stellen hohe Anforderungen an die zukünftigen Immobilienassistenten. So hat sich u. a. das Wohnraum-Mietrecht seit September 2001 umfassend geändert. Diese Rechtsänderungen wirken sich natürlich auf den Lehrplan und damit auch auf den Unterricht aus. Von den Auszubildenden wird erwartet, dass sie die mietrechtlichen Vorschriften unter Zuhilfenahme des Gesetzes inhaltlich erfassen, Strukturen erkennen und im Einzelnen rechtliche und fachliche Erkenntnisse auf praxisbezogene Beispiele und umfassendere Praxisfälle anwenden können.
Moderne Unterrichtsgestaltung
Die Vermittlung der neuen Inhalte erfolgt mittels einer modernen Unterrichtsgestaltung. Neben dem traditionell fragend-entwickelnden Unterricht werden moderne schülerorientierte bzw. handlungsorientierte Unterrichtsformen angewendet. So werden die Themen von den Auszubildenden z. B. im Rahmen von Gruppen- oder Partnerarbeit erarbeitet. Diese Unterrichtsform hat den Vorteil, dass nicht nur fachliche, sondern auch soziale und verhaltensbedingte Lernziele trainiert werden. Auch das Umgestalten des Klassenzimmers in Lerninseln und Lernecken ist hierbei eine beliebte Variante.

Foto: Lerninseln
Darüber hinaus soll das selbstbestimmende Arbeiten der einzelnen Gruppen das entdeckende Lernen fördern und Möglichkeiten und Freiräume schaffen, den Unterrichtsstoff und die Inhalte kritisch zu erarbeiten und zu hinterfragen. Auch ermöglicht diese Unterrichtsform, eigene Gedanken und Erfahrungen aus der betrieblichen Praxis in das Unterrichtsgeschehen einzubringen.
Vor diesem Hintergrund ist in der Person des Lehrers nicht nur der Erzieher, Stoff- und Wissensvermittler zu sehen, sondern es kommt ihm mehr die Rolle eines Moderators und Gestalters von Lern- und Unterrichtsprozessen zu.
Neben den herkömmlichen Arbeitsmitteln steht den Auszubildenden ein PC-Netzwerk zur Verfügung, um z. B. über Internet-Recherchen oder zukünftig E-Learning zu weiteren aktuellen Informationen zu gelangen.

Foto: Internet-Recherche
Die gewonnenen Ergebnisse werden schließlich mit Hilfe von Moderations- und Präsentationstechniken optisch gut sichtbar zusammengefasst, um für die Dauer der Lehrplaneinheit “Mietrecht” an der Wand des Klassenzimmers als stille Stoffwiederholung zu dienen.

Foto: Stille Stoffwiederholung
Hintergrundinformationen zur Fritz-Erler-Schule
Seit ca. 30 Jahren werden Auszubildende aller wohnungswirtschaftlichen Unternehmen in Baden-Württemberg an der Fritz-Erler-Schule Pforzheim unterrichtet.
Die heute unter dem Markenzeichen »Lernortkooperation« angestrebten Beziehungen zwischen Ausbildungsunternehmen, Industrie- und Handelskammern und der Schule haben an der Fritz-Erler-Schule eine in Jahrzehnten gewachsene Tradition. Die Fritz-Erler-Schule ist durch die Landesfachklassen dualer Ausbildungspartner der Wohnungswirtschaft des Landes Baden-Württemberg.
Die halbjährlichen - gut besuchten Aussprachenachmittage für Ausbilder und Personalchefs - sind ein Forum für einen offenen Austausch zwischen Schule, Ausbildungsunternehmen und den Ausbildungsberatern der IHKen. Es werden fachspezifische Gespräche geführt und Einzelfragen geklärt.
Weitere Informationen erteilt:
FRITZ-ERLER-SCHULE
Westliche 215
75172 Pforzheim
Ansprechpartner: Herr Thomas Rinkert
Telefon: (0 72 31) 39-23 57
Fax: (0 72 31) 39-13 88
Internet: www.fes.pf.bw.schule.de
E-Mail: fes@stadt-pforzheim.de oder rinkert@stadt-pforzheim.de