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Ausbildungsangebot des Monats - November 2003

Mehr Qualifikation für Auszubildende - Ausgewählte Zusatzqualifikationen der Handwerkskammer Chemnitz

Anbieter:
Handwerkskammer Chemnitz

 
 
 
 

Foto: Handwerkskammer Chemnitz


Seit Beginn des Lehrjahres 2001/2002 bietet die Handwerkskammer eine erweiterte modifizierte Verbundausbildung für alle Lehrlinge an, gemäß den Förderbedingungen der sächsischen Staatsregierung. Ziel ist es, über die geltende Ausbildungsordnung hinaus Wissen zu vermitteln. Teilnehmer können so ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt verbessern, Ausbildungsbetriebe erhalten eine effektive und weitgehend kostenlose Möglichkeit, ihre Auszubildenden über die vom Gesetz verlangten Anforderungen hinaus zu qualifizieren. Angeboten werden durch die Kammer derzeit 62 Maßnahmen für die verschiedensten Berufe, die in einem Katalog (http://www.hwk-chemnitz.de/beratung/aktuelles-ueberbetriebliche-lu.htm) zusammengefasst wurden. Bisher haben an 129 Kursen knapp 600 Auszubildende teilgenommen. Aufgrund des großen Erfolges ist eine Erweiterung des Angebotes für das nächste Lehrjahr!

Die Kurse finden in den Bildungs- und Technologiezentren der Handwerkskammer in Chemnitz und Plauen statt. Im Folgenden werden drei ausgewählte Kurse näher präsentiert:

1. Zusatzqualifikation “Aufbau und Montage von thermischen Solaranlagen für Gas- und Wasserinstallateure, Zentralheizungs- und Lüftungsbauer und Anlagemechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik” für Auszubildende im 3. Lehrjahr

Im theoretischen Teil machen sich die Teilnehmer zunächst mit dem ökologischen Nutzen der Energiegewinnung mittels thermischer Solaranlagen vertraut. Neben der Planung solcher Anlagen stehen auch die Vermittlung gesetzlicher Grundlagen auf dem Stundenplan. Den Schwerpunkt des Kurses bildet jedoch der Aufbau einer voll funktionstüchtigen Solaranlage durch die Teilnehmer. Dies geschieht in Gruppenarbeit, auch hier können wieder alle Teilnehmer das Gelernte anwenden und gemeinsam zum Erfolg gelangen.

Verschiedene Solar-Kollektoren mitsamt den notwendigen Sicherheitseinrichtungen werden auf unterschiedlich eingedeckte Modelldächer installiert und komplett elektrisch angeschlossen. Erfolgreich abgeschlossen ist der Kurs, wenn die Anlage nach Inbetriebnahme einwandfrei funktioniert. Fehleranalysen werden vorgenommen und in der Gruppe behoben.

Der Kurs wird in der Regel als Vollzeitkurs von Montag bis Freitag wahrgenommen, aber auch in Teilzeit abends angeboten, was allerdings nicht von den Auszubildenden nachgefragt wird.

Foto: Installation einzelner Vakuumröhrenkollektoren auf einer Ziegeldachfläche


Herr Günther, Werkstattleiter Sanitär-, Heizung- und Klimatechnik der HWK Chemnitz glaubt, dass die Azubis aufgrund der zusätzlich erworbenen Kenntnissen erhebliche Vorteile auf dem Arbeitsmarkt haben: “Der Markt der Solartechnik wächst und die Nachfrage der Kundschaft steigt zunehmend”, sagt Herr Günther. “Da die praktische Ausbildung im Vordergrund steht, lernen die Azubis alles von der Planung bis zum Aufbau und können auf den Lehrdächern direkt alles umsetzen und selbständig erstellen. Dies ist auch der Grund, warum der Kurs so beliebt ist. Es sind vor allem die leistungsstarken Auszubildenden, die an dem Kurs teilnehmen, leider ist der Frauenanteil verschwindend gering.”

Patrick Illgen, Auszubildender zum Gas- und Wasserinstallateur, im 4. Lehrjahr bei der Peter Quellmalz GmbH in Limbach-Oberfrohna begründet seine Teilnahme an der Zusatzqualifikation folgendermaßen: “Meiner Meinung nach ist die Solartechnik eine gute Alternative zu Ölheizungen und anderen gängigen Heizungen. Wir haben in diesem Kurs zunächst die theoretischen Kenntnisse erworben und die Bauteile kennen gelernt. Am Ende konnten wir alle Bauteile anhand von Zeichnungen und Bauplänen zu einer funktionsfähigen Anlage zusammenbauen. Dass wir die Anlage am Ende auch wirklich in Betrieb nehmen konnten, hat mir am besten gefallen. Außerdem fand ich es gut, dass wir nur sieben Auszubildende in dem Kurs waren, drei Übungsdächer zur Verfügung hatten und immer Fragen stellen konnten.”


2. Zusatzqualifikation “Schweißen für alle Metallberufe” für Auszubildende ab dem 2. Lehrjahr

In den Bildungs- und Technologiezentren Chemnitz und "Vogtland" der Handwerkskammer Chemnitz werden gegenwärtig neun Kurse zu verschiedenen Schweißverfahren angeboten. Dabei werden die Verfahren WIG- und MAG-Blechschweißen von den Ausbildungsbetrieben am meisten nachgefragt, aber auch Angebote zum Rohrschweißen und Sonderschweißverfahren stehen den Auszubildenden zur Auswahl. An die Teilnehmer werden hohe Anforderungen gestellt, da alle Kurse nach den Richtlinien des Deutschen Verbandes für Schweißtechnik (DVS) durchgeführt werden. Bei erfolgreicher Prüfung erhalten die Kursteilnehmer eine ausgezeichnete fachliche Qualifikation und tragen zur Qualitätssicherung der klein- und mittelständischen Betriebe bei.

Foto: MAG-Blechschweißen


Herr Schongalla, Leiter der DVS-Ausbildungsstätte Plauen bewertet diese Zusatzqualifikation folgendermaßen: “Schweißer werden auf dem Arbeitsmarkt benötigt und die Nachfrage steigt. Vor allem die kleineren Handwerksbetriebe müssen sich qualifizieren. Die meisten Kursteilnehmer werden zum Gas- und Wasserinstallateur, Zentralheizungs- und Lüftungsbauer, Metallbauer und Kfz-Mechaniker ausgebildet. Gerade die Metallbauer sind auf Schweißerkenntnisse angewiesen, da Schweißfachbetriebe nur Arbeiten durch geprüfte Schweißer ausführen lassen. Die Kfz-Mechaniker sind vor allem am Gasschweißen und Schutzschweißen interessiert. Schweißen ist erst einmal ein Berg, der Stück für Stück abgebaut werden muss. Es ist sehr anspruchsvoll. Aber die Motivation der Teilnehmer ist gut und sie sind leistungsstark. Die Azubis haben einfach erkannt, dass die beste Investition die in sich selbst ist und hier finden sie Konditionen vor, die sie später nie wieder haben werden.”

Markus Beiß ist 21 Jahre alt und Auszubildender zum Zentralheizungs- und Lüftungsbauer, im 4. Lehrjahr bei der Firma Heizungsbau Gnaden in Werdau bei Zwickau. Er nimmt zurzeit am WIG-Schweißlehrgang teil. Auf die Frage, wie er auf die Idee gekommen ist gerade diesen Beruf zu erlernen und an der Zusatzqualifikation teilzunehmen, antwortet Markus: “Ich habe ein Praktikum in einer Heizungsfirma gemacht und festgestellt, dass dieser Beruf sehr vielseitig ist. Die Fertigkeiten kann man später auch gut gebrauchen, wenn man sich zum Beispiel selber ein Haus bauen möchte. Außerdem kann man dann gut Geld sparen. Zur Teilnahme an der Zusatzqualifikation habe ich mich entschlossen, weil der Kostenaufwand gering ist und ich außerdem Lust hatte, etwas Neues zu lernen, was ich später im Job auch gebrauchen kann. Im Kurs lernen wir die neuen Sicherheitsmaßnahmen kennen, erlernen die technische Ausführung und achten vor allem auf die Qualität. Besonders gut ist, dass wir mit den neuesten technischen Geräten arbeiten können, die viele Betriebe gar nicht haben. An unserem Kurs nehmen nur fünf Azubis teil, so dass unser Ausbilder uns gut betreuen kann. Von der Teilnahme an der Zusatzqualifikation verspreche ich mir außerdem bessere Jobchancen, egal ob ich im Westen oder im Osten einen Job suche. Außerdem verspreche ich mir davon mehr Geld.”


3. Zusatzqualifikation “Schalt- und Automatikgetriebe” für Auszubildende in den KFZ-technischen Berufen im 3. und 4. Lehrjahr

Die Auszubildenden lernen in diesem Kurs, mit modernen Systemen und Baugruppen der Kraftübertragung und den dazugehörigen elektronischen Komponenten umzugehen. Schwerpunkte liegen im Vermitteln von theoretischen Wissen und in der praktischen Umsetzung des Gelernten beim Arbeiten im Stationsbetrieb an modernsten Getrieben der verschiedenen Fahrzeug- bzw. Getriebehersteller. Dabei stehen den Teilnehmern für die Theorie verschiedene Schulungsmodelle moderner Schalt- und Automatikgetriebe zur Verfügung, für die praktische Arbeit wurde die Getriebewerkstatt des Bildungs- und Technologiezentrums Chemnitz in Limbach-Oberfrohna neu eingerichtet.

Der praktische Teil des Kurses wird als Gruppenarbeit absolviert und dient neben der Anwendung des theoretischen Wissens auch der Teambildung, da jeder Teilnehmer seine Kenntnisse und Erfahrungen einbringen kann.

Foto: Demontagearbeiten an einem Automatikgetriebe


Herr Stürzbecher, Kfz-Ausbilder im Bildungs- und Technologiezentrum Chemnitz beschreibt die Entstehung dieser Zusatzqualifikation folgendermaßen: “Der Lehrgang entstand in Zusammenarbeit mit verschiedenen Kfz-Herstellern, die speziell im Kundenservicebereich Probleme mit der Kraftübertragung hatten. Auch Prüfungsmeister, die häufig auch Geschäftsführer sind setzten sich für die Einführung der Kurse ein. Den Anstoß für diesen Kurs gab letztendlich unser Fachbereichsleiter Kfz. Wir sind heute bundesweit wahrscheinlich die einzige überbetriebliche Ausbildungsstätte, die diese Verbundausbildung in Getriebetechnik anbietet und dies alles in Eigenregie.”

Im Mittelpunkt der Zusatzqualifikation stehen 5-Gang bzw. 6-Gang Automatikgetriebe mit elektronischer Getriebesteuerung. “Das sind derzeit die führenden Getriebearten auf dem Markt. Wir legen großen Wert darauf, dass wir keine Produktschulung betreiben, sondern Systemschulung. Das heißt das Wissen findet bei allen Herstellern, ob bei VW oder Mercedes, Anwendung. Wir bringen viel Theorie und natürlich wird alles praktisch umgesetzt. Die Neuordnungen der Kfz-Berufe seit diesem Jahr haben wir inhaltlich schon vorher im Kurs mit umgesetzt. Am Ende müssen die Teilnehmer einen Abschlusstest über 2 Stunden ablegen. Im Test werden ca. 35 programmierte Fragen gestellt. Die Azubis schneiden gut ab, es ist bisher noch keiner durchgefallen. Die Teilnehmer erhalten ein Abschlusszertifikat, was ihren “Marktwert” im Werkstattbereich deutlich erhöht.”

Dass die Resonanz auf das Angebot dieser Zusatzqualifikation besonders groß ist, kann Herr Stürzbecher nur bestätigen: “Die Nachfrage ist fast schon zu groß, daher möchten wir den Kurs langfristig auch ausbauen. Die Anfragen kommen vor allem von Kfz-Herstellern wie VW oder auch von Behörden wie z. B. der Bereitschaftspolizei, die schon mal Probleme mit ihren Einsatzwagen haben. Wir schulen in den Kursen jährlich 400 bis 450 durchweg leistungsstarke, hochmotivierte und von den Inhalten begeisterte Lehrlinge."

Weitere Informationen erteilt:

Handwerkskammer Chemnitz
Limbacher Straße 195
09116 Chemnitz
Ansprechpartnerin: Frau Gabriele Uhle
Tel.: (03 71) 5 36 41 83
E-Mail: g.uhle@hwk-chemnitz.de
Internet: www.hwk-chemnitz.de