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Ausbildungsangebot des Monats - Mai 2003

Bilingualer Unterricht für Auszubildende zum/zur Versicherungskaufmann/frau

Anbieter: Städtische Berufsschule für Versicherungswesen, München

 
 
 
 

Zu Beginn des Schuljahres 2001/2002 wurde an der Berufsschule für Versicherungswesen in München die erste Klasse mit bilingualem Unterricht für Abiturienten eingerichtet. Die 17 Schüler der Klasse sind Auszubildende der Allianz AG, der Münchener Rückversicherungsgesellschaft, des HDI und des Versicherungsmaklers Daimler-Chrysler Services. Die gesamte schulische und betriebliche Ausbildungszeit beträgt in der Regel zweieinhalb Jahre, die Ausbildung in der Berufsschule dauert zwei Jahre.

Der Unterricht in der bilingualen Klasse läuft im Rahmen des normalen Ausbildungsplans ab. Es werden die allgemeine Versicherungslehre, die einzelnen Versicherungssparten und WiSo gelehrt. In allen Unterrichtsfächern – außer Rechnungswesen – wird zweisprachig auf Englisch und Deutsch gelehrt. Der Englischunterricht findet schwerpunktmäßig als Versicherungsenglisch (Versicherungskorrespondenz, Konversation, Versicherungsbroschüren und -formulare, Grundlagen des Versicherungsrecht in anderen europäischen Ländern) statt. Dort, wo es nicht sinnvoll erscheint auf Englisch zu unterrichten, wie z. B. bei der Vermittlung typisch deutschen Wirtschafts- und Versicherungsrechts oder auf Grund unterschiedlicher Rechtsnormen oder unübersetzbarer Fachtermini, wird Deutsch als Unterrichtssprache verwendet. Ebenso finden Zusammenfassungen, Wiederholungen und Leistungsnachweise auf Deutsch statt. So wird sichergestellt, dass die Schüler der Europa-Klasse, wie die anderen konventionellen Klassen auch, den zu vermittelnden Unterrichtsstoff beherrschen und optimal auf die IHK-Prüfung für Versicherungskaufleute vorbereitet werden.

Außerdem wird als zweite Fremdsprache Spanischunterricht erteilt. Dafür entfallen die Fächer Religion und Deutsch. Der Unterricht ist handlungsorientiert und größtenteils in Projektform konzipiert. Die Schüler arbeiten in Gruppen und tragen ihre Arbeitsergebnisse als computergestützte Präsentationen vor. Arbeitsanweisungen und Projektaufträge werden in Form von wirtschafts- bzw. versicherungsspezifischen Handlungsszenarien erteilt. Dazu erhalten die Schüler auch Original-Versicherungsunterlagen und –materialien zur Information und Anschauung als Einführung in das europäische Unternehmens- und Versicherungsrecht.

Die neuen Unterrichts- und Arbeitsmethoden werden von den Schülern interessiert angenommen und mit großem Engagement bearbeitet. Viele Arbeiten werden auch nach Unterrichtsschluss in der Schule bzw. zu Hause erledigt. Im Team wird sehr konzentriert und äußerst effektiv gearbeitet, wohl auch bedingt durch einen gesunden Wettbewerb zwischen den Auszubildenden der verschiedenen Versicherungsunternehmen. Die Präsentationen sind optisch und methodisch sehr ansprechend und phantasievoll, fachlich auf hohem Niveau stehend und somit pädagogisch überaus effizient.

Schon jetzt ist festzustellen, dass die fremdsprachlichen Leistungen der Schüler deutlich gewachsen sind: Die Kommunikationsfähigkeit der Klasse ist auf einem Niveau, das es ihnen ermöglicht, flüssig und spontan zu antworten, zu argumentieren und ihre Präsentationen vorzutragen. Es ist besonders erfreulich zu beobachten, wie auch der spezielle Versicherungswortschatz zunimmt und präzise und sachgerecht verwendet wird.


Auslandspraktika
Die Zusatzqualifikation beinhaltet in der Regel ein dreiwöchiges Auslandspraktikum bei einer Versicherungsgesellschaft bzw. ein Schüleraustausch. Zurzeit wird ein Austauschprogramm mit Frankreich angeboten.

Foto: Die deutsche Austauschgruppe

Foto: Die französische Austauschgruppe

Die Rückmeldungen der Schüler über den zweisprachigen Unterricht und das Engagement ihrer Lehrer sind sehr positiv, ebenso das Interesse und die Zustimmung der Ausbildungsleiter

Nicole Jagmohan ist 22 Jahre alt und befindet sich im 3. Ausbildungsjahr zur Versicherungskauffrau bei der Allianz-Versicherung in München in der Abteilung Unfallversicherung. Eigentlich wollte sie nach dem Abitur BWL studieren. “Meine Schwester hat bereits vor 12 Jahren eine Ausbildung bei der Allianz gemacht und mir diese so schmackhaft gemacht, dass ich mich ganz kurzfristig gegen ein Studium und für eine Ausbildung entschlossen habe.”

Da Nicole vor der Ausbildung ein Jahr in den USA verbracht und so ihre englischen Sprachkenntnisse verbessert hatte, fragte sie den Personalleiter der Allianz, ob sie in die Europaklasse könnte, was dann auch problemlos funktioniert hat.

Auf die Frage, was Nicole in der Euroklasse am besten gefällt antwortet sie: “Es ist mal etwas anderes, dass alles in Englisch unterrichtet wird und es ist nicht der herkömmliche Englischunterricht, bei dem man nur Grammatik lernt. Auch ist es gut, eine zweite Fremdsprache lernen zu können.”

Bei der Allianz gefällt ihr der Kundenkontakt besonders gut, im Grunde die Arbeit, die im Außendienst anfällt. Sie erstellt gerne individuelle Risikobedarfe. Besonders gut gefallen ihr auch die sog. Bewerbertage, an denen die Azubis die Ausbildung bei der Allianz vorstellen.

Im Rahmen des Austauschs mit französischen Azubis haben sie verschiedene Präsentationen zusammen mit einer anderen Versicherungsgesellschaft erarbeitet. Es wurden Vorträge auf Französisch gehalten. Sie freut sich schon, im Mai nach La Seyne-Sur-Mer an der Côte d’Azur zu fahren. Dort besuchen die deutschen Azubis eine Woche die französische Schule und eine Woche einen Betrieb.

Foto: Vorbereitung von Gruppenarbeiten mit den französischen Azubis

Foto: Vorbereitung von Gruppenarbeiten mit den französischen Azubis


Nicole wäre froh, nach der Ausbildung von der Allianz fest übernommen zu werden. Durch den Besuch der Europaklasse rechnet sie sich größere Chancen aus. Gerne würde sie an der Abendschule zusätzlich den Versicherungsfachwirt und dann den Versicherungsbetriebswirt erwerben, was auch von der Allianz unterstützt wird.

Thomas Moll ist 22 Jahre alt und ebenfalls im 3. Ausbildungsjahr zum Versicherungskaufmann bei der Allianz-Versicherung in München.
Nach seinem Fachabitur wollte Thomas eigentlich erst Bankkaufmann werden. Sein Onkel hat ihm in einem längeren Gespräch vom Versicherungsgewerbe “vorgeschwärmt” und gemeint, dass Versicherungen gute Zukunftsaussichten hätten, da man diese immer bräuchte. Die Arbeit sei abwechslungsreich und man hätte gute Möglichkeiten, sich hochzuarbeiten. Das hat Thomas überzeugt.

Thomas war vor seiner Ausbildung bereits achtmal in London, wo er Sprachkurse besuchte und auch während der Schulzeit auf privater Basis mehrmals in Frankreich. In der Allianz wurde er vom Personalleiter direkt angesprochen, ob er in die Europaklasse möchte. Insgesamt wurden sieben Azubis von der Allianz ausgewählt.

“Ich finde es super, dass man alles in Englisch lernt”, sagt Thomas. “Im Betrieb finde ich die Ausbildung sehr abwechslungsreich, ich habe nette Kollegen, insgesamt eine sehr interessante Ausbildung!”

Thomas hat übrigens in seiner Freizeit eine eigene Homepage zur Europaklasse erstellt.

Foto: Präsentation der Hompage der Europaklasse


Schulgebühren fallen für die Teilnahme an der Zusatzqualifikation keine an. Für den Austausch nach Frankreich bekommen die Azubis drei Wochen Sonderurlaub von der Allianz. Vom französischen Austauschbüro bekommen sie pro Tag 30,- €. Alles Weitere müssen sie aus eigener Tasche zahlen.

Auf die Frage, ob sich Thomas auf Grund der Teilnahme an der Zusatzqualifikation Vorteile bei der Jobsuche nach der Ausbildung verspricht, antwortet Thomas: “Englisch macht einfach viel Spaß. Deswegen erhoffe ich mir einen Job, bei dem man Englisch einsetzen kann. Seit dem 11. September wird im Betrieb weniger darüber geredet, was nach der Ausbildung kommt. Die Aussichten sind aber gut, fest übernommen zu werden. Es gibt auch Trainee-Programme im Ausland. Wenn mir allerdings nur ein “normaler” Sachbearbeiterjob angeboten wird, möchte ich lieber BWL oder aber über die Allianz berufsbegleitend studieren.”


Wer kann an der Zusatzqualifikation teilnehmen?

Angesprochen sind Abiturienten mit guten Leistungen in Wirtschaft und Recht, Englisch und Französisch. Die Interessenten werden durch die Ausbildungsbetriebe empfohlen. Die Auswahl und die Interviews führen die Ausbildungsbetriebe in Zusammenarbeit mit der Berufsschule durch.

Anbieter:

Weitere Informationen erteilt die

Städtische Berufsschule für Versicherungswesen
Lincolnstr. 62
81549 München
Ansprechpartner/in: Herr OStD Wolfgang Hiedl (Schulleiter)
Telefon: (0 89) 69 39 03-0
Fax: (0 89) 69 39 03-26
E-Mail: sekretariat@BSV.musin.de

 
 

Herausgeber: Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)
Der Präsident
Robert-Schuman-Platz 3
53175 Bonn
http://www.bibb.de

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