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EKO Stahl GmbH
Im Jahre 1950 wurde ein metallurgisches Zentrum in Eisenhüttenstadt geschaffen, in dem bis zum Jahr 1968 ausschließlich Roheisen produziert wurde. Ab 1968 wurde dieses Roheisen des „Eisenhüttenkombinates Ost“ über Produktionsstufen außerhalb des Unternehmens zu Stahl und Warmband weiterverarbeitet. Ab 1984 wurde mit dem Bau des Konverterstahlwerkes die Stahlerzeugung im eigenen Unternehmen realisiert. Die bis über die Deutsche Einheit hinaus bestehende technologische Lücke wurde 1997 mit der Inbetriebnahme des Warmwalzwerkes geschlossen.
Heute, nach Rekonstruierung, Modernisierung und Privatisierung ist die EKO Stahl GmbH eines der modernsten integrierten Hüttenwerke. Als Unternehmen des französischen USINOR-Konzerns gehört EKO nach der Fusion der drei Unternehmensgruppen ACERALIA, ARBED und USINOR zum Konzern ARCELOR – dem weltweit größten Stahlhersteller. Am Standort Eisenhüttenstadt erzeugt das Unternehmen mit 3200 Mitarbeitern, davon 195 Auszubildende, 2,4 Mio t Rohstahl pro Jahr. Als Spezialist für qualitativ hochwertige Flachstähle zählen zu den Kunden namhafte Unternehmen, z.B. der Automobil-, Haushaltsgeräte- und Bauindustrie.
Aus- und Weiterbildung bei EKO Stahl
Die EKO Stahl GmbH ist einer der größten Ausbildungsbetriebe im Land Brandenburg. Derzeit werden 195 Jugendliche in den Berufen Industriemechaniker/in, Energieelektroniker/in und Industriekaufmann/frau ausgebildet. Das gesamte Ausbildungsteam verfügt über einen Abschluss als Meister, Ingenieur oder Ingenieurpädagoge mit gültiger AdA-Prüfung. Ein Teil unserer Ausbilder führt regelmäßig Weiterbildungsmaßnahmen für den betrieblichen Bedarf durch. Insgesamt realisierte EKO im letzten Jahr für die eigene Belegschaft externe und interne Weiterbildungsmaßnahmen für 3326 Teilnehmer.
Der Modellversuch ENIK

Im Januar 1999 wurde bei der EKO Stahl GmbH der Modellversuch Entwicklung neuer Industriekarrieren (ENIK) mit einer Laufzeit von insgesamt vier Jahren gestartet. Im Rahmen des Modellversuchs wurden wesentlich zwei Ziele verfolgt:
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* die Verzahnung kaufmännischer und gewerblich-technischer Qualifikationen,
die Entwicklung und Erprobung von Zusatzqualifikationen für gewerblich-technische und kaufmännische Berufe gleichermaßen.
Alle Zusatzqualifikationsmodule waren so konzipiert, dass sie im zeitlichen Umfang von ca. 120 Stunden, neben der Vermittlung fachlicher Inhalte auch die sozial-kommunikative Kompetenz der Teilnehmer stärken sollten. Im Modellversuch ENIK wurden insgesamt die folgenden vier Zusatzqualifikationsmodule entwickelt, umgesetzt und evaluiert:
* Qualitätssicherung in der Produktion
* Logistik/Lagerwirtschaft
* Informationsmanagement
* Verfahrenstechnik
Entsprechend dem unternehmensspezifischen Bedarf durchliefen insgesamt 62 Auszubildende bzw. Jungfacharbeiter/Facharbeiter die einzelnen Zusatzqualifikationsmodule und erwarben interne sowie teilweise extern gültige IHK-Zertifikate. Letzteres gelang in Zusammenarbeit mit der IHK Frankfurt/Oder.
Die Zusatzqualifikationsmodule im Einzelnen:
Qualitätssicherung in der Produktion
Nach einer Qualifikationsbedarfserhebung in den beteiligten Unternehmen wurden im wesentlichen vier Lernfelder im Bereich der Qualitätssicherung herausgearbeitet. Dies sind: EDV, Selbstmanagement, Recycling/Umweltschutz und Qualitätssicherung. Die Teilnehmer durchliefen im Wechsel Präsenzphasen (Anteil ca. 80 Stunden) und Selbstlernphasen (Anteil ca. 40 Stunden). Sie werden mit der Qualifizierung im Modul ”Qualitätssicherung in der Produktion” zu Multiplikatoren des Qualitätssicherungsgedanken und gleichzeitig in die Lage versetzt, eine umfassende Qualitätssicherung am Arbeitsplatz umzusetzen. Den Absolventen dieser Zusatzqualifikation wurde nach erfolgreichem Abschluss die Grund- und Aufbaustufe ”Fachkraft (IHK) für Qualitätsmanagement” anerkannt. Außerdem erhielten sie die Möglichkeit, im Anschluss zusätzlich die Anwenderstufe direkt bei der IHK zu absolvieren. Neben Auszubildenden der EKO Stahl GmbH nahmen auch Auszubildende zweier anderer Unternehmen teil.

Foto: Qualitätsmanagement
Logistik/Lagerwirtschaft
Im Zeitalter von “lean production” und “just-in-time”-Fertigung, gilt es mehr denn je, die Reibungslosigkeit der Produktion nicht durch Materialengpässe zu gefährden und durch die Optimierung der Lagerungskosten (z.B. durch Reduzierung der Lagerbestände) eine Kostensenkung zu erzielen. Die Abkehr von formaler Arbeitsteilung hin zu stärkerer Dezentralisierung und Prozessorientierung der Arbeits- bzw. Produktionsabläufe erfordert Mitarbeiter, die tätigkeitsübergreifend agieren können. Das Modul “Logistik/Lagerwirtschaft” wurde ebenfalls im Wechsel von Präsenzphasen (Anteil ca. 80 Stunden) und Selbstlernphasen (Anteil ca. 40 Stunden) durchgeführt. Diese Zusatzqualifikation zielt darauf ab, gewerbliche Arbeitnehmer genauso wie kaufmännische Angestellte zu befähigen, Tätigkeiten der Materialbeschaffung, Lagerhaltung, Buchung u.ä. qualifiziert ausführen zu können. Damit können verschiedene Berufsgruppen in Arbeitsteams gemeinsam logistische und lagerwirtschaftliche Aufgabengebiete abdecken, was z.B. durch eine Verkürzung der Informationswege zu einer besonders produktionsnahen und somit bedarfsgerechten Materiallogistik und Lagerwirtschaft führt. Den Teilnehmern des Moduls wurde das extern verwertbare Zertifikat “Logistik und Materialmanagement (IHK)” verliehen.

Foto: Zertifikatsübergabe
Informationsmanagement
Informationen gelten seit einiger Zeit als neuer und wichtiger Produktionsfaktor. Dabei kommt es wesentlich darauf an, dass relevante Informationen sach- und fachgerecht aufbereitet dort zur Verfügung stehen, wo sie benötigt werden. Auch hier gilt, je mehr Mitarbeiter mit der Recherche, der Aufbereitung und der Darstellung von Informationen vertraut sind, desto besser und reibungsloser funktioniert der Informationsfluss. In der Zusatzqualifikation “Informationsmanagement” werden Auszubildende am Ende der Ausbildung mit den notwendigen Fertigkeiten zur Informationsgewinnung, Aufbereitung und Darbietung vertraut gemacht. Sie können mit dieser Zusatzqualifikation vor Ort den Informationsfluss im Unternehmen unterstützen. Bei dieser Zusatzqualifikation steht die Projektarbeit im Mittelpunkt. Im Wechsel zwischen Präsenzphasen (Anteil ca. 40 Stunden) und Projektphasen (Anteil ca. 80 Stunden) entwickeln die Teilnehmer intranetfähige Projekte zur Informationsdarstellung.
* Projekt 1 – “Ausbildungsdatenbank”
* Projekt 2 – “EKO-Glossar”
* Projekt 3 – “Prozess-Schaubild EKO”

Foto: Präsentationsphase
Verfahrenstechnik
Das Modul “Verfahrenstechnik” ist stark auf den unternehmensspezifischen Bedarf der EKO Stahl GmbH als Stahlproduzent ausgerichtet und soll den speziellen Anforderungen an den Arbeitsplätzen, die mit der Eisen- und Stahlherstellung gekoppelt sind (Hochofen, Stahlwerk), Rechnung tragen. Mit diesem Modul wurde auf den Bedarf, den die Betriebsleiter der einzelnen Produktionsbereiche bei EKO Stahl reklamiert haben, reagiert. Damit konnte auch unter Beweis gestellt werden, dass Zusatzqualifikationen als Qualifikationsstrategie die unternehmensspezifischen Bedarfe besser erfassen und befriedigen als “Allroundqualifizierungen”. Aufgrund betrieblicher Erfordernisse wurde dieses Modul als einmonatiger Blockunterricht (ca. 120 Stunden) mit Jungfacharbeitern und berufserfahrenen Mitarbeitern durchgeführt.
Projekte
Neben den verschiedenen Zusatzqualifikationsmodulen wurden im Rahmen des Modellversuchs verschiedene Projekte zur stärkeren Verzahnung von gewerblich-technischer und kaufmännischer Ausbildung entwickelt, bzw. weiterentwickelt und erprobt. Dazu gehören die Projekte:
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* EFI (Elektronik für Industriekaufleute)
* "Briefständer"
* Ausbildungsobjekt "Warmbandadjustage"
* Medienpunkt
"Druckluftkolbenmotor"
EFI (Elektronik für Industriekaufleute)Im Projekt "EFI –Elektronik für Industriekaufleute" erlernen kaufmännische Auszubildende in ca. 50 Stunden grundlegende Fähigkeiten z.B. bei der Herstellung einer elektronischen Baugruppe.
"Briefständer"

Das Projekt "Briefständer" zielt auf die Vermittlung grundlegender Kenntnisse und Fertigkeiten der Metallbearbeitung durch die Herstellung eines Briefständers ab. Das Projekt hat ebenfalls einen Umfang von ca. 50 Stunden. Beide Projekte "EFI – Elektronik für Industriekaufleute" und "Briefständer" richten sich an kaufmännische Auszubildende und haben ein besseres Verständnis für grundlegende gewerblich-technische Berufsanforderungen für eine spätere Mitarbeit in gemischten Projektteams zum Ziel.
Ausbildungsobjekt “Warmbandadjustage”
Hierzu zählt die Warmbandadjustage, die eines der umfassendsten und fest etablierten Ausbildungsprojekte im betrieblichen Lernort der EKO Stahl GmbH darstellt. In dieser Anlage werden bestimmte Erzeugnisse des Unternehmens (Warmbänder mit Qualitätsmängeln) weiter bearbeitet. In der Warmbandadjustage ist ein Team aus gewerblich-technischen und kaufmännischen Auszubildenden tätig, das die hierfür notwendige Logistik des Produktionsprozesses (von der Materialbereitstellung bis zum Qualitätswesen) eigenverantwortlich gestaltet und neben den Aufgaben der eigenen Berufsgruppe auch die der anderen übernehmen kann.
Medienpunkt
Um auch gewerblich-technischen Auszubildenden einen Zugang zum Informations- und Kommunikationsmedium Computer einschließlich entsprechender Peripheriegeräte (Web-cam, Scanner etc.) zu ermöglichen, wurde ein sogenannter Medienpunkt in einer Ausbildungswerkstatt (Zerspanung) eingerichtet. Dieser ermöglicht die Nutzung des Intranets/Internets sowie über die Vernetzung zur Multi-Media-Werkstatt des Berufsbildungszentrums, die dort vorhandenen technischen Ressourcen. Dadurch gewinnen die neuen Medien auch in der betrieblichen Facharbeiterausbildung einen hohen Stellenwert.
“Druckluftkolbenmotor”
Daraus entstand ein weiteres gemeinsames Ausbildungsprojekt mit kaufmännischen Auszubildenden: Das Projekt “Druckluftkolbenmotor”. Während die gewerblich-technischen Auszubildenden für die Herstellung des Motors in der Ausbildungswerkstatt verantwortlich waren, wurden sie von den Industriekaufleuten bei der Erstellung einer CD-ROM unterstützt, die diesen Herstellungsprozess lernmedienadäquat dokumentiert. Durch die gemeinsame Erstellung des Lernmediums und durch seinen Einsatz in der beruflichen Bildung ergeben sich vielfältige interne als auch externe Transfermöglichkeiten, zumal eine Veröffentlichung der CD-ROM als Lehr- und Lernmedium erfolgt ist.
Transfer der Modellversuchsprodukte
Um einen Transfer der Lernmodule an interessierte Unternehmen zu ermöglichen, wird zu jeder entwickelten Zusatzqualifikation eine zweiteilige Dokumentation erstellt. Die Printform enthält eine ausführliche Anleitung zur Übertragung des jeweiligen Moduls auf andere Unternehmen. Die dazugehörige CD-ROM enthält alle notwendigen Materialien (Foliensätze, Übungen ect.), die für eine Übertragung notwendig sind. Die Dokumentation zum Modul “Qualitätssicherung in der Produktion” liegt bereits vor. Außerdem liegt jeweils eine CD zu den Projekten "Druckluftkolbenmotor" und "Warmbandadjustage" vor.
Weitere Informationen auf der Homepage www.eko-stahl.de
Kontakt: Silke Behrens (Projektleiterin), Tel.: (0 33 64) 37-34 13Aktuell: Am 16. Januar 2003 findet die Abschlussfachtagung des Modellversuchs in Eisenhüttenstadt statt.
Hinweis: Die Module Logistik/Lagerwirtschaft und Informationsmanagement werden nicht mehr angeboten und sind daher nicht mehr in der Datenbank AusbildungPlus dokumentiert (Stand September 2005).