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Ausbildungsangebot des Monats - August 2002

SLK - Selbstlernen am Kundenauftrag

Anbieter: Elektro-Technologie-Zentrum (etz) Stuttgart

Seit Anfang 1999 wird im Elektro-Technologie-Zentrum (etz) in Stuttgart der Wirtschaftsmodellversuch “Selbstlernen am Kundenauftrag – Gewerkeübergreifende Zusatzqualifikationen für die Aus-, Fort- und Weiterbildung im Sanitär-, Heizungs-, Klima- und Elektrohandwerk” (SLK) durchgeführt. Ausgehend von der zunehmenden Bedeutung gewerkeübergreifender Tätigkeiten im Elektro- und SHK-Handwerk, sollen in der vierjährigen Laufzeit des Vorhabens Bildungsmodule erstellt werden, die es Auszubildenden, Ausbildern und Gesellen beider Gewerke ermöglichen, an ausgewählten typischen Kundenaufträgen gewerkeübergreifende Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten zu erwerben. Dabei orientiert sich die lernförderliche Gestaltung der gewerkeübergreifenden Kundenaufträge an einer ganzheitlichen Auftragsbearbeitung und schließt somit die Vermittlung überfachlicher Kompetenzen ein. Die angestrebten Bildungsmodule verstehen sich als Zusatzqualifikationen und sollen u.a. auf der Basis offener multimedialer Medienpakete entwickelt und erprobt werden. Von besonderer Bedeutung ist dabei der Aspekt des Lernens im Arbeitsprozess und wie der “Erwerb” von Zusatzqualifikationen durch den Einsatz von Multimedia unterstützt und befördert werden kann.

 
 
 
 

Seit Anfang 1999 wird im Elektro-Technologie-Zentrum (etz) in Stuttgart der Wirtschaftsmodellversuch “Selbstlernen am Kundenauftrag – Gewerkeübergreifende Zusatzqualifikationen für die Aus-, Fort- und Weiterbildung im Sanitär-, Heizungs-, Klima- und Elektrohandwerk” (SLK) durchgeführt. Ausgehend von der zunehmenden Bedeutung gewerkeübergreifender Tätigkeiten im Elektro- und SHK-Handwerk, sollen in der vierjährigen Laufzeit des Vorhabens Bildungsmodule erstellt werden, die es Auszubildenden, Ausbildern und Gesellen beider Gewerke ermöglichen, an ausgewählten typischen Kundenaufträgen gewerkeübergreifende Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten zu erwerben. Dabei orientiert sich die lernförderliche Gestaltung der gewerkeübergreifenden Kundenaufträge an einer ganzheitlichen Auftragsbearbeitung und schließt somit die Vermittlung überfachlicher Kompetenzen ein. Die angestrebten Bildungsmodule verstehen sich als Zusatzqualifikationen und sollen u.a. auf der Basis offener multimedialer Medienpakete entwickelt und erprobt werden. Von besonderer Bedeutung ist dabei der Aspekt des Lernens im Arbeitsprozess und wie der “Erwerb” von Zusatzqualifikationen durch den Einsatz von Multimedia unterstützt und befördert werden kann.

Foto: Ausbilder Kolz mit seinen Azubis

Horst Locher, Geschäftsführer von Elektro Locher und Obermeister der Elektroinnung Stuttgart äußert sich folgendermaßen zur gewerkeübergreifenden Zusatzqualifikation: “Ich bilde Lehrlinge in meinem Betrieb aus. Die Kunden verlangen sehr oft alle Arbeiten aus einer Hand. So kommt zum Beispiel ein Kunde und beauftragt uns mit dem Auswechseln eines Elektro-Wasserspeichers. Früher habe ich mir einen Flaschner oder einen Sanitärhandwerker dazugeholt und mit ihm zusammen den Wasserspeicher ausgewechselt. Das will der Kunde heute nicht mehr, er will eben diese Arbeiten aus einer Hand, d. h. der Elektriker aus meinem Hause muss auch kleine Wasserarbeiten beherrschen. Deswegen ist es für mich ganz wichtig, dass auch meine Lehrlinge mit diesen Arbeiten während der Ausbildung konfrontiert werden”.

Das Konzept “Lernen am Kundenauftrag” bildet die methodisch-didaktische Grundlage des Wirtschaftsmodellversuchs SLK und impliziert die Strukturierung der Bildungsmodule nach den Aspekten der Auftragsdimension, der fachlichen Dimension sowie nach der gewerkeübergreifenden Dimension: Während die auftragsorientierte Dimension den Kundenauftrag in seiner Gesamtheit, unter Einschluss überfachlicher Elemente wie z.B. Kundenberatung und Kalkulation, abbildet, zielt die fachliche Dimension auf die technischen Inhalte des Kundenauftrags des jeweiligen Gewerks ab. Die gewerkeübergreifende Dimension widmet sich der Kennzeichnung der Schnittstellen zwischen den Gewerken. Hier soll verdeutlicht werden, was an Wissen, Kenntnissen und Fertigkeiten des anderen Berufsbildes erforderlich ist, um ein Gelingen gebäudetechnischer Gesamtlösungen zu ermöglichen. In den zu erstellenden Ausbildungsmodulen sollen diese drei Dimensionen inhaltlich, methodisch und didaktisch in ihrer Gesamtheit Berücksichtigung finden, wobei dem jeweiligen Kundenauftrag entsprechend unterschiedliche Gewichtungen vorzunehmen sind.

"So macht Üba erst richtig Spaß!", sagt Christoph Kolz, Ausbilder im etz-Stuttgart. "Die Teilnehmer machen die Auftragsplanung bis hin zur Kalkulation und Abrechnung begelitend am PC und bauen die Anlage in unserer Werkstatt auf. Sie begreifen die Theorie im wahrsten Sinne des Wortes. Denn Handlungsorientierung wird bei mir groß geschrieben! Wenn Fragen oder Probleme bei der Auftragsabwicklung auftauchen, gebe ich Hilfestellung und verweise auch auf den Infopool im virtuellen Kundenauftrag."

Abbildung: Virtueller Kundenauftrag – Angebotserstellung im Internet

Die Auswahl entsprechender typischer Kundenaufträge mit gewerkeübergreifenden Inhalten wird im Rahmen des Wirtschaftsmodellversuchs von einer Expertenkommission vorgenommen, die mit Fachleuten aus Betrieben, Innungen, Zentralverbänden, Berufsschulen etc. beider Gewerke besetzt ist. Zum bisherigen Zeitpunkt wurden zur Bearbeitung folgende Kundenaufträge ausgewählt:

    * Erweiterung haustechnischer Anschlüsse;
    * Erlebniswelt Bad;
    * Umrüsten einer konventionellen Elektroinstallation auf ein BUS-System.

Zur Vorbreitung der lernförderlichen Gestaltung, wurden die ausgewählten Kundenaufträge anhand der formalen Auftragsstruktur detailliert beschrieben und zusätzlich in die Bereiche “Lerninhalte”, “Lernzielbereiche” und “Basis- und Zusatzqualifikationen” gegliedert.
"Die Abwicklung ganzheitlicher Kundenaufträge führt zur Steigerung fachübergreifender Informationen bei gleichbleibender Kursdauer. Dieser Umstand führt zwangsläufig zu einer immer schnelleren Reduzierung der Fachausbildung zugunsten anderer - vielleicht auch notwendigerer - Schlüsselqualifikationen, so Jörg Veit, Projektbetreuer des Modellversuches "SLK". Wir haben den Modellversuch zum Anlass genmommen, unsere Methodik und Didaktik neu zu gestalten. Es freut mich daher sehr, dass wir die Berufsschule in Stuttgart für unser Projekt gewinnen konnten und nun im Sinne der Lernortkooperation gemeinsam in Lern- und Handlungsfelder ausbilden dürfen."

Erfahrungen und Ergebnisse

Im bisherigen Prozess der Ausgestaltung dieser Bildungsmodule zeigte sich anhand erster Entwicklungen und Erprobungen, die hohe Bedeutung und das Potenzial “Neuer Medien”. Dies wurde noch verstärkt durch die fortschreitende Entwicklung der Informations- und Kommunikationstechniken, die eine Nutzung multimedialer Anwendungen nicht nur für Off- sondern in zunehmenden Maße auch für Onlineangebote möglich machen. Gleichzeitig wurde jedoch auch deutlich, dass die ursprüngliche Intention des Modellversuchs, die bereits auf dem Markt vorhandenen Medien der beruflichen Bildung in die eigenen Entwicklungen mit einzubeziehen, an Grenzen geriet.

Vor diesem Hintergrund wurde im Modellversuch SLK die Entwicklung eines Lern- und Lehrarrangements angestrebt, das sowohl eine Off- als auch Onlinenutzung ermöglicht. Hierzu wurde ein erster Prototyp entwickelt und steht den Lernenden und Lehrenden auf einer Internetplattform, dem sog. Virtuellen-Trainings-Center (VTC), zur Verfügung.

Karlheinz Böhnert, Geschäftsführer des etz-Stuttgart ist überzeugt vom Selbstlernprogramm: “Das Selbstlernen im Kundenauftrag hat mich begeistert, weil ich sah, das es genau das ist, was ein Handwerkerlehrling braucht. Die Auszubildenden sehen einen ganzheitlichen Ablauf eines Kundenauftrags, den sie im Betrieb selten so erleben, wie wir es ihnen hier vorführen können.”

Die im VTC angelegte Struktur spiegelt den Kundenauftrag in seiner Ganzheitlichkeit wider und ist mit den notwendigen Features versehen. Derzeit wird dieser Prototyp am Beispiel des Kundenauftrags “Erweiterung haustechnischer Anschlüsse” und “Erlebniswelt Bad” in der überbetrieblichen Ausbildung erprobt. Dieser “virtuelle” Kundenauftrag ermöglicht es Auszubildenden und Ausbildern, gewerkeübergreifende Kompetenzen in Selbstlernprozessen zu erlangen bzw. in moderierten Lernprozessen zu vermitteln.

Foto: PC-Lerninseln

Der virtuelle Kundenauftrag wird dabei nicht nur als Selbstlernmedium eingesetzt, sondern ist Bestandteil einer vor dem Hintergrund der Auftragsorientierung neugestalteten überbetrieblichen Ausbildungswoche. Im Rahmen der überbetrieblichen Ausbildungswoche erhalten Auszubildende des Elektrohandwerks beispielsweise die Aufgabenstellung, eine Modernisierungsmaßnahme in einem Hauswirtschaftsraum eines Hotels (Installation einer Spül- und Waschmaschine und eines Trockners mit dem dazugehörigen Wasserver- und Entsorgungssystem sowie den elektrischen Anschlüssen) zu analysieren, zu planen, durchzuführen und auszuwerten.

Foto: Preisrecherche im Internet

“Wir machen nicht mehr so viel theoretischen Unterricht.”, sagt Karlheinz Böhnert. “Die Teilnehmer bauen das Objekt richtig auf, machen die praktische Programmierung und installieren die Komponenten vor Ort, richtig gesteckt und verdrahtet. Die Theorie wird hier am PC begleitet und immer wenn die Azubis Probleme, Fragen oder Informationsdefizite haben können sie ins Internet gehen und sich technische Hilfestellungen zur Durchführung holen, sich Videos anschauen und die einzelnen Funktionen durcharbeiten.”

Foto: Anschlussarbeiten an der Elektroverteilung

Die Durchführung vollzieht sich an Montageplätzen, an denen die grundlegenden Fertigkeiten der Elektrotechnik als auch der Sanitär-, und Heizungstechnik erworben werden können. Hierzu gehören z.B. das Gewindeschneiden an Stahlrohren sowie das Einhanfen von Gewinden, Löten von Kupferrohren sowie deren Verlegung, Berechnung und Auslegung der entsprechenden Systeme. Im Elektroteil des Kundenauftrages ist die Elektroversorgung zu den Betriebsmitteln herzustellen. Hierbei werden Tätigkeiten wie z.B. die Installation von Leitungen und Verlegesystemen, Aufbau und Verdrahtung der Betriebsmittel und Elektroverteilung eingeübt. Darüber hinaus stellt die ganzheitliche Bearbeitung des Kundenauftrags sicher, dass Auszubildende u.a. Elemente der Kundenakquise, -beratung und -betreuung sowie Kalkulation und Rechnungsstellung kennen lernen.

Foto: Aufbau der Rohrinstallation

Die bisherigen Erfahrungen und Erkenntnisse im Einsatz multimedial gestützter Lern- und Lehrarrangements deuten darauf hin, dass die Ausbildung für Auszubildende und Ausbilder motivierender und somit effektiver gestaltet werden kann. Die Modellversuchsbeteiligten gehen davon aus, dass in Fortschreibung der bisherigen Ergebnisse im Wirtschaftsmodellversuch SLK, möglicherweise richtungsweisende Hinweise für eine neue Didaktik der überbetrieblichen Ausbildung ermittelt werden können.

Foto: Die fertige Installation

Auch die Azubis sind überzeugt vom Selbstlernprogramm: “Das Programm ist gerade für die gut, die nicht sehr oft im Betrieb sind, sondern eher in der Schule und in der überbetrieblichen Ausbildung, dass die so auch mal lernen Steckdosen und Abzweigdosen richtig zu verdrahten. Als Lehrling geht man auf einer Baustelle üblicherweise nicht an einen Schaltschrank, was hier im etz erlaubt ist.
Ich finde, man sollte als Elektriker von allem ein bisschen Ahnung haben, sei es von Sanitärtechnik, Aufzugsmaschinenbau, Rolltoren, oder Schlössern. Man muss sich auch auf einer Baustelle orientieren können, so dass man weiß, wie man mit seinen Leitungen fahren kann”.

Anbieter:

Weitere Informationen zum Wirtschaftsmodellversuch SLK:
Auf der Homepage des Elektro-Technologie-Zentrums (etz) | etz-Stuttgart | und auf der Hompepage der | Forschungsgruppe Praxisnahe Berufsbildung |.
Wissenschaftliche Betreuung: | Michael Sander |
Projektbetreuung: | Jörg Veit, etz-Stuttgart |

Dieser Modellversuch lief im Jahre 2003 aus. Die Ergebnisse wurden in den neuen Berufsbildern Anlagenmechaniker/in für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik sowie Elektroniker/in für Energie- und Gebäudetechnik verwirklicht.

 
 

Herausgeber: Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)
Der Präsident
Robert-Schuman-Platz 3
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