Dann stellen Sie diese im Forum!
Gleiches Prinzip wie Email-Schreiben (kein Login)
Ausbildungsinstitution: Fachhochschule für öffentliche Verwaltung (FHöV) NRW, Studienort Münster
Ausbildungsbetrieb: Gemeinde Senden
Autor: Philip Geißler
Hallo, mein Name ist Philip Geißler und ich möchte euch gerne aus eigener Erfahrungen, sozusagen als „Insider“, über das duale Studium berichten.
Ich absolviere seit dem 01.09.2009 bei der Gemeinde Senden ein duales Studium zum Dipl.-Verwaltungswirt (FH) (Umstellung ab 01.09.2010 auf Bachelor of Laws).
Der dreijährige Studiengang umfasst 18 Monate Praktika in der Einstellungsbehörde und 18 Monate Studium an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung (FHöV) NRW, Studienort Münster.
Der Schwerpunkt des Studiums liegt im Bereich der Rechtswissenschaften (Kommunal-, Staats- und Privatrecht); es werden außerdem Fächer der Wirtschaftswissenschaften (Betriebs- und Volkswirtschaftslehre, öffentliche Finanzwirtschaft) und der Sozialwissenschaften (z.B. Psychologie, Soziologie) behandelt.
Dadurch soll gewährleistet werden, dass die/der Studierende nach Beendigung des dualen Studiums in jedem Bereich der öffentlichen Verwaltung eingesetzt werden kann (Personalwesen, Finanzwesen, Ordnungs- und Sozialwesen, Bauwesen etc.).
Die fachtheoretische Ausbildung findet in einem festen Kursverbund von 25 Studierenden statt. Ihr könnt euch das wie Schulunterricht vorstellen: Fester Kursverbund mit festem Stundenplan. Für die Studienzeiten seid ihr von der Arbeit freigestellt, allerdings besteht eine Anwesenheitspflicht, da das Studium als Dienstzeit gilt.
Ihr könnt euch also voll und ganz auf das Studium konzentrieren. Deshalb wird aber auch von euch erwartet, dass ihr immer gut vorbereitet zu den einzelnen Vorlesungen erscheint. Konsequentes Aufbereiten des Lernstoffes hilft euch ungemein weiter, da ihr in jedem Abschnitt Klausuren schreibt und Fachgespräche habt. Diese können zum Teil auch Inhalte von mehreren Studienabschnitten behandeln, so dass ihr beim Lernstoff immer am Ball bleiben solltet! Teilweise habt ihr zehn Fächer im Studienabschnitt und die Zeit vergeht rasend schnell. Aber durch ein wenig Disziplin ist das auch zu schaffen ;-)
Zudem werde ich noch eine Seminararbeit (ähnlich wie eine Facharbeit) im nächsten Jahr schreiben und eine Projektarbeit mit anderen Studenten/-innen erstellen. Außerdem finden drei Verhaltenstrainings statt, in denen die „Soft Skills“ (Soziale Kompetenzen wie Teamfähigkeit, Motivation, Umgang mit dem/der Bürger/in) trainiert werden sollen.
Die Auszubildenden P. Geißler und S. Halsbenning haben sichtlich Spaß an der Arbeit im Bürgerbüro
Die fachpraktischen Zeiten absolviere ich in meiner Ausbildungsbehörde. So durchlaufe ich während meines dualen Studiums alle Fachbereiche der Gemeinde Senden.
Die Besonderheit des dualen Studiums im Gegensatz zum herkömmlichen Studium ist, dass ihr bereits vor Studienbeginn ein komplettes Auswahlverfahren bei der Behörde (Bewerbungen ein Jahr im Voraus!) durchlaufen müsst. Ihr müsst also schon im Vorhinein eine Behörde von euch überzeugen.
So hatten sich in meinem Jahr etwa 65 Personen auf eine Stelle bei der Gemeinde Senden beworben. Zunächst musste ich am Studieninstitut Westfalen-Lippe, Abteilung Münster, einen dreistündigen schriftlichen Test hinter mich bringen (zur Vorbereitung auf solche Einstellungstests kann ich euch das Buch Hesse/Schrader Testtraining 2000plus wirklich empfehlen!). Wenn ihr diesen schriftlichen Test gut absolviert habt, werdet ihr zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen, in dessen Rahmen oftmals Rollenspiele und Einzelgespräche stattfinden oder ihr Präsentationen halten müsst.
In meinem ersten Praktikum wurde ich in der Personalabteilung eingesetzt. Dort konnte ich z.B. Stellenausschreibungsverfahren mitbegleiten oder durfte an der Verschriftlichung und Umsetzung einer Dienstvereinbarung mitwirken. Darüber hinaus konnte ich mich an ersten Fällen aus dem Öffentlichen Dienstrecht im Rahmen meiner Kenntnisse versuchen.
Von der Ausbildungsleitung wird versucht, die/den Studierende/n in dem Fachbereich einzusetzen, zu dem er/sie den momentan größten Bezug durch das Studium hat. Dadurch soll die bestmögliche Verknüpfung von Theorie und Praxis erzielt werden. Allerdings kann der Praktikumsabschnitt auch nur in einem Fachbereich absolviert werden, in dem gerade ein Ausbildungsplatz frei ist.
Zurzeit befinde ich mich in meiner zweiten fachpraktischen Phase. Nachdem ich im Rahmen des Studiums Kenntnisse im externen Rechnungswesen und Kommunalem Finanzmanagement (KFM) erlangt habe, bin ich seit Mitte Juni nun im Fachbereich Finanzen und Wirtschaftsförderung eingesetzt. Hier darf ich selbstständig Geschäftsvorfälle buchen oder beispielsweise beim Abschluss von Grundstückskaufverträgen dabei sein und mit dem Vollziehungsbeamten mitgehen, der die öffentlich-rechtlichen Forderungen im Auftrage der Gemeinde vollstreckt.
Ich selbst empfinde den Wechsel von Theorie und Praxis als sehr angenehm. Während der fachpraktischen Zeiten habe ich das Wochenende auch mal komplett frei und kann viel mit Freunden unternehmen oder meinen Hobbies nachgehen, wohingegen ich in den kurzen fachtheoretischen Phasen (meist drei Monate) aufgrund der am Ende des Abschnitts liegenden Klausuren viel lernen muss.
Darüber hinaus führt dieser ständige Wechsel dazu, dass das duale Studium noch abwechslungsreicher als ein herkömmliches Studium ist. Wenn man während der Klausurenphasen stöhnen muss und hofft, dass die ganze Lernerei endlich ein Ende hat, kann man sich bereits darauf freuen, bald wieder arbeiten gehen zu können und ruhigere Wochenenden zu haben. Ebenso macht es umgekehrt auch Spaß, nach einer Zeit im Amt mal wieder ins Studium zu gehen und sich theoretisches Wissen anzueignen.
Ihr solltet engagiert, leistungs- und lernbereit sein. Außerdem solltet ihr Freude am Umgang mit Menschen haben und besonders kommunikativ sein. Da ihr vornehmlich im Büro arbeitet und mit moderner EDV konfrontiert werdet, sind gute Kenntnisse im Umgang mit dem PC von Vorteil.
Auf die Gemeinde Senden als Ausbildungsbetrieb bin ich über die Stellenangebote der Tageszeitung gestoßen. Im Anschluss habe ich mich auf der Internetseite der Gemeinde Senden über das duale Studium informiert, da dort die komplette Stellenausschreibung zu finden war.
Schaut einfach mal auf den Internetseiten der umliegenden Kommunen oder übergeordneten Behörden unter der Rubrik Stellenangebote bzw. Ausbildung nach. Dort sind -falls vorhanden- meistens alle grundlegenden Informationen zum dualen Studium bzw. auch zu allen weiteren Ausbildungsberufen im öffentlichen Dienst für euch bereitgestellt.
Ich selbst kann euch das duale Studium im öffentlichen Dienst nur herzlich empfehlen. Mit meiner Wahl bin ich bisher sehr zufrieden.
Wenn man das duale Studium mit dem herkömmlichen Studium vergleicht, kommt man zwar zu einigen Nachteilen, die ich euch auch nicht vorenthalten möchte:
Für mich überwiegen jedoch die Vorteile des dualen Studiums: